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Ungewöhnlicher Frühstart für Noroviren in der Lausitz

Das Norovirus ist ein hoch ansteckender Magen-Darm-Erreger, dessen Infektion durch abrupt einsetzendes Erbrechen und starken Durchfall gekennzeichnet ist.
Das Norovirus ist ein hoch ansteckender Magen-Darm-Erreger, dessen Infektion durch abrupt einsetzendes Erbrechen und starken Durchfall gekennzeichnet ist. FOTO: dpa
Lübben. Die Magen-Darm-Grippe geht um: Im Landkreis Dahme-Spreewald wurden seit Oktober bereits mehr als 300 Norovirus-Infektionen festgestellt. Das sind dreimal so viele wie in normalen Jahren. Außerdem greift das Virus seit der statistischen Erhebung im Landkreis so früh wie noch nie um sich. Auch die Landkreise Elbe-Elster, Oberspreewald-Lausitz verzeichnen mit Blick auf 2015 eine Zunahme der Norovirus-Infektionen. Im Landkreis Görlitz ist die Zahl gesunken. Lydia Schauff

Das Robert-Koch-Institut hat einen neuen Report veröffentlicht. Seine Kernaussage: Auf uns rollt eine Norovirus-Welle zu, zumindest hat die Saison der Durchfallviren deutlich früher und heftiger begonnen als in den Vorjahren. Tatsächlich hat es dabei Brandenburg in den vergangenen Monaten ganz besonders erwischt. Und laut Zahlen des Instituts den Landkreis Dahme-Spreewald besonders heftig. Allein in den Monaten Oktober und November sind in Dahme-Spreewald mehr als 300 Norovirus-Fälle im Labor nachgewiesen worden. Das ergibt 187 nachgewiesene Erkrankungen auf 100 000 Einwohner. Eine solche Häufung gab es zu diesem Zeitpunkt im Landkreis seit Beginn der statistischen Erhebung im Jahr 2001 noch nie. In durchschnittlichen Jahren bewegte sich die Zahl bisher zwischen 40 und 150 Fällen.

Aber auch Teltow-Fläming habe es ziemlich erwischt, sagt Hans Floss, Sachgebietsleiter für Hygiene und Umweltmedizin im Gesundheitsamt des Landkreises. "Wir hatten im Oktober 31 Meldungen, im November 61 und im Dezember 42. Im vorigen Jahr waren es im gleichen Zeitraum insgesamt nur knapp 40 Meldungen. Das ist schon ein erheblicher Unterschied." Auch darüber, warum das Virus in diesem Jahr so früh auftritt, rätseln die Experten. "Eine mögliche Erklärung ist, dass wir es mit einem neuartigen Virus zu tun haben, gegen das die Menschen noch keine Immunität entwickelt haben", sagt Hans Floss.

Die Zahl der Meldungen ist freilich nicht gleichzusetzen mit der Zahl der Erkrankten. Die dürfte wesentlich höher sein. "Es gibt eine hohe Dunkelziffer", sagt Sabine Reise vom Gesundheitsamt Königs Wusterhausen. Die Ärzte müssen zwar einen positiven Laborbefund melden, sie sind aber nicht verpflichtet, von jedem Betroffenen eine Probe untersuchen zu lassen. "Viele Patienten verzichten auf die Analyse oder sie gehen gleich gar nicht zum Arzt", sagt Sabine Reise. Behandelt werden bei einer Norovirus-Erkrankung ohnehin nur die Symptome, und die verschwinden in der Regel auch ohne Arzt nach zwei Tagen. Allerdings fühlen sich die meisten der Betroffenen danach noch schlapp.

Das Norovirus ist ein recht heimtückisches. Es braucht manchmal nur sechs Stunden, manchmal auch zwei Tage, um einen zumeist recht heftig verlaufenden Brechdurchfall auszulösen. Es ist zudem hoch ansteckend. "Bereits wenige Viren reichen aus, um sich zu infizieren", so Floss. Die Viren verbreiten sich in der Luft über Schwebeteilchen oder über Schmierinfektionen. Deshalb trägt fehlende Hygiene zur Verbreitung der Infektion bei. Die falsche Türklinke angefasst, das falsche Waschbecken berührt, anschließend einen Apfel gegessen - das kann es schon gewesen sein. Um das zu vermeiden, ist gründliches Händewaschen ein Muss. Gefährdet sind vor allem Einrichtungen, in denen viele Menschen zusammen sind.

Auch in den Landkreisen Elbe-Elster (EE), Oberspreewald-Lausitz (OSL) und in Cottbus sind zwischen der 40. und der 49. Kalenderwoche mehr Norovirus-Infektionen als im gleichen Zeitraum des Vorjahres verzeichnet worden. Die Zunahme ist aber moderat. In Cottbus sind es 52 statt 33 Erkrankungsfälle, in OSL gibt es 86 gemeldete Norovirus-Infektionen, 2015 waren es 58. In Elbe-Elster liegt die Zahl mit 103 Meldungen zwischen der 40. und der 49. Kalenderwoche auch über dem Vorjahr, da waren es 45.

Aus Sicht von Susanne Glasmacher, Pressesprecherin vom Robert-Koch-Institut, ist das kein Grund zur Panik. So zeige sich beim Blick auf die Statistik der vergangenen Jahre, dass es immer wieder einen solchen Anstieg der Norovirus-Infektionen gegeben habe. Für den Ausschlag nach oben in diesem Jahr gibt es laut Susanne Glasmacher zwei Gründe: Weil die Zahl der Infektionen im Vorjahr wesentlich geringer war, sind weniger Menschen immunisiert; es gibt einen neuen Virustyp, gegen den das Immunsystem erst eine Immunantwort entwickeln muss; deshalb kann das Virus auch bei denen zuschlagen, die es im Vorjahr erwischt hatte. Dass sich der Virus verändert, ist laut RKI-Sprecherin Susanne Glasmacher ebenfalls nicht ungewöhnlich und sei aller paar Jahre der Fall.

Weitere Informationen, wie man sich vor Noroviren schützen kann und mehr über die Erkrankung unter: www.infektionsschutz.de/erregersteckbriefe/noroviren/

Zum Thema:
Um einer Erkrankung vorzubeugen, raten die Gesundheitsämter zum regelmäßigen und gründlichen Händewaschen. "Eltern sind auch in der Verantwortung, Kinder mit Krankheitssymptomen nicht in den Kindergarten zu schicken", so Sabine Reise. Wer selbst an sich Symptome bemerkt, sollte in jedem Fall zu Hause bleiben. Die Ansteckungsgefahr ist gebannt, wenn 48 Stunden lang keine Symptome aufgetreten sind.