Von Andreas Wendt

Eine in die Jahre gekommene Halle mit Rolltoren, davor schrottreife Autos, die vor sich hin rosten und nicht mehr in der Lage sein dürften, die Fläche in der Müllroser Landstraße von Biegen (Oder-Spree) aus eigener Kraft zu verlassen. Hinter den Rolltoren aber kommt es noch schlimmer: Kühlzellen, Särge und Leichen sind dort abgestellt worden, und das über Wochen. Aufgeflogen ist all das in der vergangenen Woche, weil Anwohnern der Gemeinde die zum Teil nächtlichen Anlieferungen aufgefallen waren. „Die haben hier Leichen illegal gelagert“, empört sich Ortsvorsteher Björn Haenecke, der den Ball ins Rollen bringt, als ihm von allen Seiten Gerüchte ans Ohr dringen. „Ich konnte mir so etwas nicht wirklich vorstellen“, sagt Haenecke.

Haenecke informiert die Direktorin des Amtes Odervorland, Marlen Rost, um der Sache auf den Grund zu gehen. „Ich kann ja nicht nachweisen, dass da Leichen drin sind“, sagt Haenecke. Doch als die Amtsdirektorin vor Ort erscheint, bestätigt sich der Verdacht. „Der Ortsvorsteher hat die Dringlichkeit erkannt – wir können unsere Augen ja nicht überall haben“, sagt sie am Donnerstag.

Die „nicht den Vorschriften entsprechende vorübergehende Aufbewahrung von Leichen“, so formuliert es der Landkreis Oder-Spree, wird ein Fall für die Behörden. Die Aufbewahrung der Toten in der Werkstatt wird noch am Mittwoch vergangener Woche untersagt, weil die Anforderungen dort nicht gegeben sind. Von einer Strafe ist weder beim Landkreis noch bei der Frankfurter Staatsanwaltschaft die Rede, obwohl selbst Fabian Lenzen, Sprecher der Bestatter-Innung Berlin-Brandenburg, „nichts Vergleichbares aus der Vergangenheit“ bekannt ist.  „In Berlin müsste man die Lagerung von Leichen dem Gesundheitsamt melden, in Brandenburg dürfte das nicht anders sein“, kommentiert er den Fall. Allerdings schließt Lenzen auch nicht aus, dass es den ein oder anderen Bestatter geben könnte, der nach Alternativen sucht, wenn die eigenen Kühlräume voll sind. Zudem seien es meist Mitbewerber, die ihre Kollegen in solchen Fällen anschwärzen.

In Biegen waren es die Anwohner. „Die Halle hat schon mehrmals die Besitzer gewechselt“, erzählt ein Nachbar, der lieber anonym bleiben möchte und in den zurückliegenden Wochen im Vorbeifahren gesehen hat, wie Särge und Kühlzellen abgeladen wurden. „Es hätte ja sein können, dass sie damit handeln“, dachte er sich.

Als am Mittwoch vergangener Woche dann ein Leichenwagen vorgefahren kam und der Fahrer die Hausnummer der leerstehenden Kfz-Werkstatt gesucht hat, war ihm klar, dass dort Tote gelagert werden. „Dann kam alles ins Kochen.“

Die Ortsbegehung von Gesundheitsamt und Amt Odervorland setzte den vorläufigen Schlussstrich unter das Leichenlager. Die Biegener selbst hätten sich das schon eher gewünscht. Einige hätten bereits eine Unterschriftensammlung gestartet, um die Vorfälle um die Halle aufzuklären, doch das Amt habe nicht reagiert – erst vergangene Woche.