Nun wurden das 1712 errichtete, 130 Hektar große Anwesen vor dem Amtsgericht Strausberg zwangsversteigert und bekommt neue Besitzer. So richtig glücklich ist man in Prötzel darüber aber nicht.
Denn die unter Denkmalschutz stehende Schlossanlage kam nicht in einem Stück unter den Hammer, sondern in mehreren Teilen. Den Zuschlag für das eigentliche Schloss und zehn Hektar Land im einst malerischen Schlosspark erhielt für 33 000 Euro ein Bauunternehmer aus Armenien, den in Prötzel bisher niemand kennt. Die Nebengebäude wie Pferdeställe und eine Orangerie gingen an einen Berliner Geschäftsmann, der sich hier für die Familie ein neues Zuhause schaffen will. "Der ist schon mehrfach bei uns gewesen und hat seine Pläne vorgestellt", erzählt Ortsbürgermeister Olaf Kaupat.
Der osteuropäische Schloss-Investor habe Immobilie und Ort hingegen noch nie besucht, geschweige denn ein Nutzungskonzept präsentiert. So wie auch andere Gemeindevertreter befürchtet Kaupat nun vom Regen in die Traufe zu geraten. Denn Erfahrungen mit dubiosen Investoren hat Prötzel bereits kurz nach der Wende gemacht. Statt das kunst- und kulturhistorisch bedeutsame Ensemble in die fachkundige Obhut der Brandenburger Schlösser GmbH zu geben, vertraute man lieber den vollmundigen Versprechungen eines Berliner Geschäftsmannes.

Keine müde Mark geflossen
Schnell geschaffene Arbeitsplätze in einem protzigen Nobelhotel mit reichen Gästen schienen den Gemeindevertretern verlockender, als eine langwierige Restaurierung durch die Schlösser GmbH. "Wir wollten Prötzel parallel zum benachbarten Schloss Reichenow sanieren und beide Anlagen einem gemeinsamen Nutzer übergeben", erinnert sich deren Geschäftsführer Wolfgang Illert. Reichenow lockt mit seinem fachgerecht sanierten Schlosshotel in märchenhaftem Ambiente seit Jahren vor allem Heiratswillige aus ganz Deutschland und dem Ausland in die Region. Nach Prötzel hingegen floss nicht eine müde Mark. War man hier doch 1991 zur Erfüllung der hochfliegenden Träume einen verhängnisvollen Deal eingegangen: Die Gründung einer Kommanditgesellschaft, die aus der Gemeinde und einer Ein-Mann-GmbH bestand.
Prötzel übernahm eine Millionenbürgschaft, obwohl der windige Allein-Geschäftsführer nicht einmal solide Finanzierungskonzepte vorweisen konnte. "Dem hat jahrelang niemand auf die Finger geschaut", grollt Rudolf Schlothauer. Er hatte erst 2001 die Amtsgeschäfte in der Großgemeinde Prötzel übernommen und ein Jahr später Insolvenz für die Kommanditgesellschaft angemeldet. Seitdem sitzt die Deutsche Kreditbank Berlin der Gemeinde als Gläubiger im Nacken und ließ die Immobilie nun zwangsversteigern.

Erheblich gestiegene Kosten
Fünf bis sechs Millionen Euro hätte man nach Schätzungen von Illert in Wendezeiten in die Schlosssanierung investieren müssen. Heute würde eine denkmalgerechte Rettung der historischen, vom Schwamm befallenen Bausubstanz wesentlich teurer. Die Prötzeler sind skeptisch, dass der armenische Käufer, der hier angeblich ein Schlosshotel betreiben will, diese Summen aufbringen kann.
Gemeindevertreter und das zuständige Amt Barnim-Oderbruch bedauern den Ausgang der Zwangsversteigerung sehr. Hatten beide Behörden doch enge Kontakte zu einem Berliner Interessenten, der ein Nutzungskonzept für die gesamte Schlossanlage präsentierte. Leider habe der Mann letztlich auf ein Gebot verzichtet, da die Anlage nicht im Paket unter den Hammer kam.