Keine zwei Sätze wechseln die Waffeninspekteure bei ihrem morgendlichen Treffen auf dem Parkplatz neben dem UN-Hauptquartier in Bagdad mit ihren irakischen Begleitern. Dann geht das Verwirrspiel los. Kreuz und quer jagen die Autos der Vereinten Nationen durch die Stadt. Plötzlich streben sie auseinander.
Die Iraker müssen sich schnell organisieren, schauen, wer welchem Fahrzeug folgt. Denn an diesem Dienstag besuchen die Inspekteure erstmals fünf Anlagen gleichzeitig.

Viermal zum Atomreaktor
Die Experten der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) fahren an diesem nebligkalten Morgen bereits zum vierten Mal zum zerstörten Atomreaktor in Tuwaitha. Am Eingangstor des weitläufigen Geländes wird ihr Wagen in weniger als einer halben Minute abgefertigt und durchgewinkt.
Fast sieht es so aus, als würden die Wächter Angestellte begrüßen, nur lächeln, das tun sie nicht. Vor dem Eingangstor zeigt ein großes Bild den lächelnden Präsidenten. Die Farbe sieht noch frisch aus. 2002 steht unten rechts in der Ecke. Möglicherweise wurde das Porträt von Saddam Hussein extra für die Waffeninspekteure angefertigt.
Auch in der Tierimpfstoff-Fabrik in Abu Ghoreib zehn Kilometer westlich von Bagdad kam der Besuch der Kontrolleure am Morgen nicht überraschend. Denn die Waffenkontrollkommission Unscom, die 1998 das Land verließ, hinterließ hier ein Siegel auf einem Gefriertrockner. Daher wusste Fabrikdirektor Dr. Hareth Mohammed Salim, dass auch die Experten der neuen Kommission (Unmovic) früher oder später in seiner winzigen Fabrik auftauchen würden, um herauszufinden, ob hier eventuell biologische Waffen hergestellt oder gelagert werden. Wir waren überhaupt nicht aufgeregt während des Besuchs, denn - hier macht er eine kleine Kunstpause - wir haben ja nichts zu verbergen.
Der Direktor der staatlichen Firma ist schon um die Mittagszeit allein in der kleinen Fabrik. Die acht Laborangestellten sind schon weg. Probleme mit dem Firmenbus, deshalb seien sie heute früher nach Hause gefahren, erklärt er. Über die Inspekteure verliert er kein negatives Wort. Das sind Experten, sagt er. Deshalb haben sie auch direkt gesehen, dass wir hier nichts zu verbergen haben, und sind nach zwei Stunden wieder gegangen.
Überhaupt sind viele Iraker, anders als zu Zeiten der Unscom, die damals auch vom staatlichen Propagandaapparat ständig angegriffen worden war, recht froh über die Anwesenheit der Inspekteure. Sind sie doch momentan für sie eine Art Lebensversicherung. "Solange die Inspekteure noch im Land sind, greifen die Amerikaner nicht an, darauf kann man sich verlassen", meint ein junger Verkäufer in Bagdad. Erst wenn sie gehen, will er seine Familie auf dem Land in Sicherheit bringen.

Wer greift zu den Waffen
Wer es sich leisten kann, hat bereits jetzt Vorkehrungen getroffen, um das Land zu verlassen. "Dann bleibt natürlich noch die Frage, ob uns die Jordanier über die Grenze lassen", erklärt ein junger Universitätsabsolvent, "und die zweite Frage ist, ob uns die Iraker ausreisen lassen." Denn offiziell heißt es immer noch, im Falle eines Angriffs solle jeder Iraker sein Maschinengewehr aus dem Schrank holen und kämpfen.
Dass die Führung Waffen an Stammesführer und zahlreiche einfache Bürger verteilt hat, ist kein Geheimnis. Doch wer diesem Aufruf zum Kampf tatsächlich folgen würde, ist schwer zu sagen. Regimegegner behaupten, dass nur die hohen Parteifunktionäre und deren Familien zu den Waffen greifen würden, da sie im Falle eines Sturzes von Saddam Hussein sowieso von rachedurstigen Landsleuten getötet würden.