Es sei eine Arbeitsgruppe von sechs Mann ins Leben gerufen worden, die die wild ausufernden Pflanzen zumindest eindämmen sollen, sagte die Koordinatorin des Projekts, Kerstin Tschiedel. Vor allem an Flussläufen verbreiteten sich die Pflanzen immer stärker, an der Neiße seien bereits ganze Uferabschnitte komplett vom Staudenknöterich überwuchert. Damit hätten heimische Pflanzen kaum mehr eine Chance, sich auszubreiten. Nach Angaben des Landesamtes für Umwelt und Geologie ist Zittau der einzige Landkreis in Sachsen, der aktiv gegen diese Pflanzen zu Felde zieht.
"Wir wissen noch sehr wenig über die ökologischen Konsequenzen dieser massenweisen Ausbreitung der Pflanze", erklärte Harald Auge, Botaniker am Umweltforschungszentrum (UFZ) in Halle. Von daher sei es momentan noch schwierig, die Folgen zu benennen. Etwa jede vierte wild wachsende Pflanze in Deutschland sei hier ursprünglich nicht heimisch sondern in der Vergangenheit entweder absichtlich eingeführt worden wie der Staudenknöterich oder aus Versehen eingeschleppt.

Auswirkungen auf Insekten
Beispielsweise gehöre auch die Kastanie eigentlich gar nicht nach Deutschland. Große Auswirkungen, so viel stehe fest, hätten diese eingewanderten Pflanzen aber wohl auf Insekten. Diese sei extrem spezialisiert und könnten mit fremdartigen Pflanzen nur wenig anfangen, sagte Auge. Auf diese Weise gehe so Lebensraum für diese Tiere verloren.
Wie hartnäckig Staudenknöterich, Riesen-Bärlauch und Co sind, erfahren die Mitarbeiter von Kerstin Tschiedel beinahe täglich. Alle drei Wochen rückten sie seit mittlerweile 2003 aus, um die Pflanzen abzumähen - mit einem Erfolg, der sich lediglich in Quadratmetern ausdrücken lässt, während sich der botanische Einwanderer aber über Quadratkilometer ausbreite. Man habe sich mittlerweile auf Flächen konzentriert, wo die Bekämpfung noch Aussicht auf Erfolg habe. Großflächige Ausbreitungsgebiete, wo der ökologische Schaden übersehbar sei, bekämpfe man gar nicht erst.
Was die Pflanze so erfolgreich macht, ist ihre Art der Fortpflanzung, erklärte die für den TÜV Rheinland arbeitende Ökologin Tschiedel. Sie verbreite sich kaum über Samen, dafür aber über sogenannte Wurzelstöcke. Und die würden, wenn die Pflanze am Wasser lebt, bei jedem Hochwasser weggespült und setzten sich dann flussabwärts wieder fest. Bisher sei noch kein Mittel gegen diese Pflanzen gefunden, sagt Tschiedel ein wenig resignierend. Pflanzengift, das auf tschechischer Seite gegen den Staudenknöterich eingesetzt werden dürfe, helfe nur begrenzt.

Frost hat nichts geholfen
Auch starker Frost habe sich im vergangenen Winter als nutzlos erwiesen. "Minus 15 Grad stören die Pflanze überhaupt nicht", sagt Tschiedel, und setzt ihre Hoffnung auf diesen heißen, trockenen Sommer. Und schränkt gleich wieder ein: "Die Wurzeln reichen bis in zwei Meter Tiefe." Und da sei es nach wie vor ausreichend feucht.