Freilich, meist waren diese Korrekturen so kosmetisch und so verspätet, dass die umstrittenen Maßnahmen ihre Wirkung weitgehend zu entfalten vermochten.

Doch nun geschah es zum ersten Mal, dass Orban nach Massenprotesten eine von ihm forcierte Entscheidung zurückgenommen hat. In der Internet-Steuer erblickten Zehntausende Demonstranten in Budapest - und inzwischen auch einige Tausend in den Provinzstädten Pecs, Szombathely und Bekescsaba - nicht primär einen sinnlosen Obulus. Vielmehr wähnten sie eine böse Absicht dahinter: Der rechts-konservative "Landesvater", der ohnehin zu einem autoritären Herrschaftsstil neigt, wolle die Bevölkerung vom Internet und damit von einer Öffentlichkeit ohne Bevormundung abschneiden.

Auf den ersten Blick wirken Orbans Worte, mit denen er am Freitag im Staatsrundfunk die Rücknahme der Internet-Steuer ankündigte, fast schon reuig. "Die Menschen stellen die Einführung dieser Steuer infrage, die Diskussion darüber ist entgleist. In dieser Form lässt sich überhaupt nichts einführen", sagte er.

Doch wirklich locker lassen dürfte Orban nicht. Die Besteuerung der Internet-Dienstleister, die angeblich "ernsthafte Profite aus dem Land schaffen", treibt ihn offenbar weiter um. Im Januar soll darüber eine "nationale Konsultation" abgehalten werden. "Nationale Konsultationen" sind im System Orban ritualisierte Selbstgespräche des Orban-Kreises.

Nach Bekanntwerden der Steuerpläne für das Internet hatte sich erstmals seit Orbans Herrschaftsbeginn 2010 eine Protestwelle spontan und in Windeseile entfaltet. Sie erfasste auch Menschen, die sich zuvor noch nie politisch engagiert hatten. Selbst in Orbans eigenem Lager formierten sich Widerstände. Der Regierungschef drohe erstmals "ein Thema von gesamtgesellschaftlichem Symbolwert der Opposition zu überlassen", hatte noch am Donnerstag das Regierungssprachrohr "Magyar Nemzet" gewarnt.