2940 Fahrradfahrer sind im vergangenen Jahr auf Brandenburger Straßen bei Unfällen verletzt worden. Das sind fast 15 Prozent mehr als im Jahr davor, wie sich aus den in der vergangenen Woche veröffentlichten Unfallzahlen des Polizei herauslesen lässt.

Vor allem im Herbst vergangenen Jahres gab es in der Lausitz eine ganze Reihe von gefährlichen Unfällen, bei denen Fahrradfahrer zu Schaden kamen. Vier schwere Unfälle gab es allein im November binnen einer Woche. In Straupitz (Dahme-Spreewald) wurde eine 80-jährige Radfahrerin von einem bislang unbekannten Pkw gerammt. Schwer verletzt wurde die Frau in die Lübbener Spreewaldklinik gebracht.

In Elbe-Elster übersah der Fahrer (41) eines Caddy zwei Fahrradfahrer und kollidierte mit diesen. Ein Mann (36) starb noch am Unfallort. Ein Kind (9) wurde so schwer verletzt, dass es mit dem Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus geflogen werden musste.

Weniger Tote

Insgesamt ist die Zahl der getöteten Fahrradfahrer in Brandenburg zum Glück gesunken. 20 waren es im vergangenen Jahr laut Verkehrsstatistik – im Vergleich zu 26 in 2017.

ADFC fordert mehr Geld für Radwege

Größtes Problem für die Sicherheit von Radfahrern ist nach Einschätzung des Fahrrad-Clubs ADFC „die überalterte und dramatisch unterdimensionierte“ Infrastruktur. „Zerschlissene und schlecht einsehbare Bordsteinradwege wechseln ab mit zugeparkten, viel zu schmalen Radfahrstreifen – und die enden dann oft im Nichts oder an der nächsten Baustelle“, kritisierte eine Sprecherin. „Das ist frustrierend und gefährlich für alle.“

Deutschland braucht laut ADFC ein bundesweites Investitionsprogramm von mindestens 30 Euro pro Einwohner und Jahr, um die Infrastruktur für Radverkehr auf einen komfortablen und sicheren Stand zu bekommen.

Abbiegende Lkw als Gefahrenquelle

Ein Problem, das die Nachrichten beherrscht, sind abbiegende Lkw, die Radler im toten Winkel übersehen. In Brandenburg gab es 2018 einen solchen Unfall, bei dem ein zehnjähriges Mädchen von einem abbiegenden LKW überrollt wurde. In Cottbus hatte es 2017 einen ähnlichen Unfall gegeben, bei dem eine 29-Jährige Radlerin gestorben war.

Abbiegeassistenten könnten Besserung bringen. Diese Systeme können Lkw-Fahrer bei drohenden Kollisionen warnen oder abbremsen, sind aber bisher noch wenig verbreitet. Dass sie bei Lastern von Unternehmen in Deutschland nachgerüstet werden sollen, ist seit einiger Zeit vorgesehen.

Wer ist schuld?

Radler sind aber nicht nur Opfer bei Unfällen. Oft genug sind die auch selbst Verursacher. Bei Unfällen mit Verletzten war das in Brandenburg 2018 bei etwa 40 Prozent der Fall. Übersehene Vorfahrt, rücksichtsloses Verhalten – gerade in Städten ist das häufiger zu beobachten.

Viel Kritik hatte sich Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) im Herbst vergangenen Jahres eingehandelt, als er im Bundestag mit Blick auf die Radfahrer sagte, er wisse, dass es für jeden Radfahrer lästig sei, wenn auf Fahrradwegen Fahrzeuge parkten. Zugleich sagte er: „Wenn man die einen oder anderen sieht, wie sie ihr Vorrecht oft ausnutzen in Hasstiraden oder mit dem Schlagen auf die Motorhaube, nur weil man meint, mit dem Fahrrad jetzt durchfahren zu können - ich glaube, wir sollten alle appellieren daran, dass sich die Verkehrsteilnehmer untereinander rücksichtsvoll verhalten.“

Auch mehr Kradfahrer verletzt

Immer öfter zum Opfer von Unfällen werden übrigens nicht nur Fahrradfahrer. Auch Motorradfahrer wurden 2018 deutlich häufiger in Brandenburg verletzt. 847 zählt die Verkehrsstatistik, 70 mehr als ein Jahr zuvor.

Immerhin: Auch die Zahl der getöteten Motorradfahrer sank um fünf auf 17. Ein Fall bleibt nachhaltig in Erinnerung: Ende Oktober hatte ein 18-jähriger Mopedfahrer am Reformationstag an der neuen B-183-Ortsumfahrung bei Bad Liebenwerda eine rote Ampel überfahren, war auf der Kreuzung mit einem Pkw kollidiert und an den Folgen des Unfalls trotz sofortiger Hilfsmaßnahmen noch am Unfallort verstorben.

Mehr Technik gefordert

Völlig verhindern lassen sich solche Unfälle nie. Dennoch gibt es Möglichkeiten, die Wahrscheinlichkeit zu verringern. Der ADFC fordert weitere Investitionen in die Technik. Während Pkw-Insassen von einer immer besseren Fahrzeugtechnik profitieren, habe es für die Sicherheit von Radfahrern bisher kaum Verbesserungen gegeben. Der ADFC fordere verpflichtende Abbiege- und Notbremsassistenten zum Schutz von Radfahrern.

Aktionswochen geplant

Auch die Politik bleibt am Thema dran. Innenstaatssekretärin Katrin Lange: „Alle Akteure der Verkehrssicherheitsarbeit in der Landesregierung werden weiterhin alles tun, um die Verkehrssicherheit dauerhaft zu erhöhen.“ So sind im Lauf des Jahres mehrere landesweite Aktionen geplant, die sich gezielt mit Fahrrad- und Motorradfahrern auseinandersetzen sollen.

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