In Cottbus war dies bei einer Veranstaltung von Lausitzer SPD und Gewerkschaften über Arbeitslosigkeit und Armut in Südbrandenburg für den Bundestagsabgeordneten Ottmar Schreiner soweit, als ihm Vertreter der Senftenberger Aktionsgruppe gegen soziales Unrecht vorwarfen, erst monatelang gegen die Arbeitsmarktreform Hartz IV argumentiert, letztlich im Bundestag sich aber der Parteidisziplin gebeugt und mit Ja gestimmt zu haben.
Schreiner empört: "Da sind sie schlicht falsch informiert." Es habe elf Abgeordnete gegeben, die gegen Hartz IV gestimmt hätten, davon seien sechs Mitglieder der SPD-Fraktion gewesen. "Von den sechs galt ich als Rottenführer. Und ich habe für dieses Abstimmungsverhalten in der Fraktion seither einen hohen Preis bezahlt, einen extrem hohen Preis - bis hin zur totalen Isolierung." Jeder habe irgendwo seine sensiblen Seiten - das sei eine seiner sensibelsten.
Weniger betroffen korrigierte Schreiner einen Gewerkschafter, der ihn wiederholt mit Otto ansprach. Der SPD-Linke aus dem Saarland erinnerte daran, dass er nicht so und nicht Oskar heiße, wie er manchmal auch angeredet werde. Da müsse er sich dann schon überlegen, ob er einen Rechtsanwalt einschalte, ließ er mit einem Scherz Distanz zum früheren Parteifreund Oskar Lafontaine erkennen.
1998 war Schreiner unter dem damaligen SPD-Vorsitzenden und späteren Bundesfinanzminister Bundesgeschäftsführer der Partei geworden. Dem Abgang des einen Saarländers aus Regierungs- und Parteiamt ein Jahr später folgte die Ablösung des anderen. Gerhard Schröder wurde Parteivorsitzender und steuerte die SPD weg von linken Positionen in die politische Mitte. 2003 setzte Schröder mit Druck und Rücktrittsdrohungen die Verabschiedung der Hartz-IV-Gesetze durch. Mehrere Abgeordnete stimmten dagegen - einer davon war in der Tat Ottmar Schreiner.
Und der bekennende SPD-Linke bekräftigte in Cottbus, auch in einer anderen sozialen Frage gegen die wahrscheinliche Mehrheit der Fraktion und deren einstigen Zuchtmeister Franz Müntefering zu stimmen. Der Arbeits- und Sozialminister der Großen Koalition war es, der die Debatte auslöste und dann das Gesetz auf den Weg brachte. Schreiner: "Ich werde gegen die Rente mit 67 stimmen. Denn die bedeutet Altersarmut in Deutschland."