"Wenn der Zeitpunkt der Wahl des Bundespräsidenten näher rückt, wird man auch die Frage zu entscheiden haben, wer der nächste Bundesaußenminister ist", sagte gestern SPD-Chef Sigmar Gabriel.

Nur keine Eile, nur kein Druck, lautet die Devise der Genossen. Dennoch: Wer könnte aus den Reihen der SPD Steinmeier im Außenamt folgen?

Sigmar Gabriel selbst wäre eine Option. "Warum eigentlich nicht?", heißt es in der Fraktion. Auf dem Weg zur Kanzlerkandidatur könnte dem SPD-Chef ein neuer Job im Auswärtigen Amt hilfreich sein. Schließlich genießt der Außenminister seit Jahrzehnten in Deutschland fast automatisch hohes Ansehen. Gabriel hätte allerdings nur wenige Monate, um sich auf neuem Terrain zu profilieren. Ganz unbekannt dürfte es ihm aber nicht sein, schließlich ist er als Wirtschaftsminister häufig auf internationalem Parkett unterwegs.

Infrage käme sicher auch Martin Schulz. Er ist gerade auf der Suche nach einem neuen Amt. Aktuell ist Schulz Präsident des Europäischen Parlaments. Im Januar 2017 soll er aber wie vereinbart einem Christdemokraten Platz machen - der Zeitpunkt wäre optimal, um für die SPD in die Bundespolitik zu wechseln. Schulz ist außenpolitisch prima vernetzt. Seit 1994 ist der 60-Jährige Mitglied des Europäischen Parlaments. Er gilt als Hoffnungsträger in der SPD, weshalb sein Name intern auch immer dann fällt, wenn es um die Kanzlerkandidatur geht. Sollte er daher nach Berlin kommen und Außenminister werden, müsste Gabriel geklärt haben, ob er als Kanzlerkandidat antritt oder nicht. Ansonsten würden die Spekulationen ins Kraut schießen, dass Schulz ins Rennen geht.

Zu Höherem berufen fühlt sich auch schon lange Thomas Oppermann. Anlässlich der vergangenen beiden Bundestagswahlen war der gelernte Jurist und jetzige SPD-Fraktionschef als Justiz- oder Innenminister im Gespräch. Über den 62-Jährigen heißt es in der Fraktion augenzwinkernd: "Der würde sich auch Papst zutrauen." Aber der Niedersachse ist nicht eben ein Diplomat. Etwa sagte Oppermann noch am Tage der US-Wahl, dass die Bewerberin der Demokraten, Hillary Clinton, das "deutlich kleinere Übel" sei. Neben den allseits bekannten Namen gibt es in der SPD aber auch mehrere Persönlichkeiten in der zweiten Reihe, die sich auf Steinmeiers Handwerk verstehen und für eine Nachfolge infrage kämen.

Da wäre zum Beispiel Rolf Mützenich. Der 57-jährige Kölner sitzt seit 14 Jahren für die Genossen im Bundestag. Dort war er zunächst nahost- und abrüstungspolitischer Sprecher und danach außenpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion. Seit 2013 ist er als Fraktionsvize für das Fachgebiet verantwortlich. Mützenich wird ein enges Vertrauensverhältnis zu Steinmeiner nachgesagt.

Außerdem gibt es da noch den außenpolitischen Sprecher der Fraktion, Niels Annen. Der 43-jährige Hamburger ist wie Steinmeier eine sehr pragmatische Natur. Allerdings fehlt ihm noch die große außenpolitische Erfahrung. Aber die hatte einer von Steinmeiers Vorgängern auch nicht, als er 2009 ins Amt kam: Guido Westerwelle von der FDP.