Am Montag ist der Arzt und Pazifist nach kurzer schwerer Krankheit in Gießen gestorben. Er wurde 88 Jahre alt.

Der Vordenker der Friedensbewegung in Deutschland war immer wieder für zivile Formen der Konfliktlösung eingetreten. Er plädierte für soziale Gerechtigkeit und rief Politiker und Bürger zu verantwortlichem Handeln auf. Ärztliches Verhalten habe er immer auch politisch gesehen, so die Organisation Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs. Ärzte hatten Richter zufolge die Verpflichtung, das Leben zu schützen und sich nicht durch die Politik instrumentalisieren zu lassen.

Richter, geboren 1923 in Berlin, gilt als ein Pionier der psychoanalytischen Familienforschung und Familientherapie in Deutschland. Im Jahr 1962 übernahm er einen Lehrstuhl für Psychosomatik an der Universität Gießen. Von 1992 bis 2002 leitete er das Frankfurter Sigmund-Freud-Institut. In zahlreichen Büchern ordnete Richter Neurosen familiären und sozialen Zusammenhängen zu, warb für das „Lernziel Solidarität“ (1974) und kritisierte im „Gotteskomplex“ (1979) den „Allmachtswahn der westlichen Fortschrittsgesellschaft“.

Willy Brandts Ost- und Friedenspolitik fand in Richter einen engagierten Befürworter. In den 80er-Jahren nahm der Psychoanalytiker an Demonstrationen der Friedensbewegung gegen die Nachrüstung teil.

Sein Engagement rief zahlreiche Kritiker auf den Plan. Sie hängten ihm das Etikett des „Gutmenschen“ und „Moralisten“ an, nannten ihn einen „Jünger des Zeitgeistes“. Doch Richter ließ sich nicht beirren. Freunde nannten ihn einen „Workaholic“ und „Familienmenschen“. Kräfte sammelte der Psychoanalytiker in den Schweizer Bergen. Zudem betätigte sich Richter, der seit 1947 verheiratet war und drei erwachsene Kinder hat, als Mineraliensammler.