Rebellenführer Guy Philippe drohte mit der Erstürmung der Hauptstadt Port-au-Prince. Die Aufständischen wollten Präsident Jean Bertrand Aristide festnehmen und wegen Hochverrats den Prozess machen, sagte Philippe.
Frankreich entzog Aristide als erstes Land seine Unterstützung. US-Präsident George W. Bush ordnete an, alle haitianischen Bootsflüchtlinge sofort in ihr Land zurückzubringen.
In einer Stellungnahme verurteilte der UN-Sicherheitsrat die anhaltende Gewalt in Haiti und bedauerte die Ablehnung des internationalen Friedensplans durch die Opposition. Der Plan sei die "beste Möglichkeit", die Krise "friedlich, demokratisch und gemäß der Verfassung" beizulegen. UN-Generalsekretär Kofi Annan ordnete den Abzug des abkömmlichen UN-Personals aus Haiti an.
Rebellenführer Philippe erklärte, die Aufständischen seien zur Einnahme der Hauptstadt bereit. Port-au-Prince sei fast vollständig umzingelt. Seine Kämpfer seien nur noch nicht vorgerückt, um "dem Frieden noch eine Chance" zu geben. Sollte Aristide zurücktreten, würden die Aufständischen ihre Waffen niederlegen, kündigte Philippe an. Sie wollten Aristide wegen "Hochverrates, Mordes und Diebstahl" den Prozess machen.
Der aus dem Exil zurückgekehrte frühere Polizeichef Philippe hielt sich gestern zusammen mit etwa 150 Kämpfern in der von den Rebellen kontrollierten zweitgrößten Stadt Cap Haïtien auf. Seit Wochen versuchen die Aufständischen, Aristide mit Gewalt zum Rücktritt zu zwingen. Sie werfen ihm Machtmissbrauch und Korruption vor. Bislang starben bei dem Aufstand mehr als 70 Menschen. Der bedrängte Präsident brachte seine beiden kleinen Töchter in den USA in Sicherheit. Sie habe die Mädchen zu ihren Großeltern geschickt, sagte Aristides Frau, Mildred Trouillot. Sie selbst werde jedoch bei ihrem Mann in Haiti bleiben.
Als erstes Land entzog die einstige Kolonialmacht Frankreich Aristide die Unterstützung. Paris habe den Präsidenten "fallen gelassen", sagten Diplomaten in der französischen Hauptstadt. Frankreich wünsche noch vor dem Sommer eine Präsidentschaftswahl in dem Karibikstaat. Außenminister Dominique de Villepin hatte gesagt, Aristide befinde sich in einer "Sackgasse" und müsse daraus "die Konsequenzen ziehen". (AFP/roe)