Laut dem Bericht ist es iranischen Wissenschaftlern tatsächlich gelungen, in der Atomanlage in Natans Uran auf den für Kernbrennstoff nötigen Grad von 3,6 Prozent anzureichern. Dies hätten Proben bestätigt, die die IAEO in Wien untersucht hat. Iran baue seine Urananreicherung zurzeit weiter aus. Der Sicherheitsrat hatte Teheran Ende März 30 Tage Zeit gegeben, die Arbeiten an der Urananreicherung einzustellen und der IAEO bei der Aufklärung seine lange geheimen Atomprogramms zu helfen. Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad hatte allerdings noch unmittelbar vor Ablauf der Frist alle Zugeständnisse abgelehnt.
Der kühle Hauch der Ohnmacht umwehte gestern die Vereinten Nationen. Der Iran hat sich der Weltorganisation offen widersetzt und alle Forderungen ihres höchsten Gremiums, des Sicherheitsrates, schroff abgelehnt. Dennoch sieht es nicht danach aus, dass die viel beschworene internationale Gemeinschaft auf diese Provokation schnell und geeint reagieren wird. Als gestern die vierwöchige Bedenkzeit für den Iran ablief, hüllte sich die New Yorker UN-Zentrale in Schweigen. Schon ist unter westlichen Diplomaten die Rede davon, sie dürften nicht als "Regenschirmtypen" erscheinen: Mit diesem Begriff hatte Hitler in den 30er-Jahren jene bürgerlichen Regierungschefs verspottet, die ihm zwar drohten, aber im entscheidenden Moment immer nachgaben. Die Vereinten Nationen - den Namen erfand der damalige US-Präsident Roosevelt - sind auch unter dem Eindruck dieser gescheiterten Politik der Beschwichtigung gegr&u uml;ndet worden. Entschlossen sollte sich die Welt künftig denjenigen entgegenstellen, "die Frieden und Sicherheit gefährden" - jedoch immer auf dem Boden des Völkerrechts. "Ein schöner Traum", haben ihre Kritiker schon immer gesagt. Im Moment haben sie wieder besonders gut reden.

Resolution oder Diplomatie
Die Positionen der fünf ständigen Mitglieder des Sicherheitsrates liegen weit auseinander. Die USA, unterstützt von Großbritannien und Frankreich, wollen eine Resolution nach Kapitel VII der UN-Charta. Von Kapitel VII spricht, wer Sanktionen will - und vielleicht auch noch mehr: Von "Luft-, See- oder Landstreitkräften" ist da die Rede, von "militärischen Sanktionsmaßnahmen zur Wahrung oder Wiederherstellung des Weltfriedens". Das erinnert Russen und Chinesen nur all zu sehr an das Vorspiel zum Irakkrieg. Nur auf diplomatischem Weg könne die Krise gelöst werden, betonte der chinesische UN-Botschafter und derzeitige Präsident des Sicherheitsrates, Wang Guangya, noch vor wenigen Tagen: "Jede Resolution auf der Grundlage von Kapitel VII wäre diesem Ziel abträglich."
Der raubeinige US-Botschafter John Bolton, der Guangya seit Jahrzehnten kennt, beteuert bei jeder Gelegenheit, dass auch er zunächst noch keine Sanktionen androhen wolle. Es gehe erst einmal nur darum, die bisher unverbindliche Forderung des Rates nach einem Ende der iranischen Urananreicherung in eine völkerrechtlich verbindliche Form zu kleiden. Doch Russland und China wollen von Kapitel VII einfach nichts wissen.

Weg der Mitte
Als Kompromiss zeichnet sich deshalb im Moment nur eine Resolution ab, die dem Iran keine Gefährdung des Weltfriedens vorwirft, sondern nur noch einmal mit anderen Worten wiederholt, was der Sicherheitsrat schon vor vier Wochen gesagt hat. Die Amerikaner - und nicht nur sie - bezweifeln jedoch, dass dies einen iranischen Präsidenten beeindrucken wird, der seinen Feinden "die Hände abschlagen" und zusehen will, wie seine Kritiker an ihrem Zorn "zu Grunde gehen". Bolton will deshalb unbedingt mehr; am Mittwoch wird erstmals hinter verschlossenen Türen verhandelt. Irgendwann wird der Iran aus New York hören - es ist nur eine Frage von Wochen. (dpa/ksi)