Das geht aus dem aktuellen Kinderreport des Deutschen Kinderhilfswerks hervor, der am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde.

Rund 25 Jahre ist es jetzt her, dass die Kinderrechtskonvention von den Vereinten Nationen verabschiedet wurde. Danach haben Kinder eigenständige Rechte auf Fürsorge, Bildung, optimale Entwicklung und individuelle Förderung. Von fast allen Staaten der Welt wurde das Dokument inzwischen unterzeichnet "Aber Anspruch und Wirklichkeit fallen eklatant auseinander", klagte die Vizepräsidentin des Bundestages, Claudia Roth (Grüne) am Donnerstag in Berlin.

Nach dem aktuellen Kinderreport gilt dieser Befund auch für Deutschland. Ein großes Problem aus Sicht des Kinderhilfswerks ist dabei die Kinderarmut. Mehr als 1,6 Millionen Kinder wachsen in Familien auf, die von Hartz IV leben.

Danach befragt, wie die soziale Benachteiligung abgemildert werden könnte, gaben Kinder und Eltern unisono kostenlosem Essen und Lehrmitteln in Kitas beziehungsweise Schulen den Vorrang. "Kinderrechte sind kein Gedöns, sie gehören ins Zentrum der politischen Aufmerksamkeit", sagte Kinderhilfswerk-Präsident Thomas Krüger.

Ebenso wie Roth forderte er, die Kinderrechte gesondert im Grundgesetz zu verankern. Unterstützung kam von der Linkspartei. "Es ist höchste Zeit, dass Kinder und Jugendliche einklagbare Rechte erhalten", sagte der kinderpolitische Sprecher, Norbert Müller.

Wie aus dem Kinderreport weiter hervorgeht, haben 36 Prozent der Eltern sowie 49 Prozent der Kinder und Jugendlichen zwischen zehn und 17 Jahren allerdings auch keine Ahnung, was sich hinter der UN-Kinderrechtskonvention verbirgt. Lediglich vier Prozent der Jüngeren und drei Prozent der Erwachsenen wissen detailliert darüber Bescheid. Auf die Frage nach potenziellen Informationsquellen schneidet die Familie noch am besten ab. Dagegen kommen die Kindergärten in der Erhebung erstaunlicherweise am schlechtesten weg.

Auch um die Mitbestimmungsrechte, einem Kern der Kinderrechtskonvention, steht es in Deutschland nicht zum Besten. Eine vergleichsweise gute Note bekommen noch die Schulen (3,3). Schlusslicht ist die Politik mit der Note 5,1. "Gerade bei bundespolitischen Entscheidungen fühlen sich Kinder überhaupt nicht einbezogen", erklärte der Bundesgeschäftsführer des Kinderhilfswerks, Holger Hofmann.

Die Rechtswissenschaftlerin Friederike Wappler von der Uni Frankfurt/Main wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass aus dem Recht auf Gehör in Artikel 12 der Kinderrechtskonvention die Belange der Jüngeren bei allen politisch-strategischen Planungen im Wirtschaftsleben berücksichtigt werden müssten, was die Bundesregierung aber zum Beispiel bei ihrer Rentenpolitik missachte.