"Frieden" steht auf Ballons, die diese Frau in Bagdad verkauft. Die Mehrzahl der Iraker hofft, dass ein Krieg mit Hilfe der UN abgewendet werden kann.Dementsprechend unterscheiden sich auch die Kundgebungen, die sich vor den beiden UN-Büros in der irakischen Hauptstadt abspielen. Das Hotel Canal ist ein kleines weißes Gebäude im Osten von Bagdad. 70er-Jahre Baustil, zwei Stockwerke, auf dem Parkplatz davor die weißen Geländewagen mit dem Schriftzug der UN. Unmovic steht auf dem Nummernschild - die Abkürzung der UN-Kontrollkommission für Irak. Seit November arbeiten hier nach einer vierjährigen Unterbrechung wieder die Inspekteure. Sie teilen sich das Haus mit anderen UN-Organisationen und -Missionen. Neben dem humanitären Hilfsprogramm "Öl für Lebensmittel" sind auch die UN-Mission für Irak und Kuwait (Unikom) sowie eine Geschäftsstelle vom Welternährungsprogramm (WFP) hier untergebracht.
Das Hotel Canal liegt an einer dichtbefahrenen Straße. Vor der Einfahrt gehen irakische Soldaten mit Sturmgewehren und UN-Wachkräfte auf und ab - im Januar 1998 war das UN-Büro einmal unter Granatenbeschuss geraten, unlängst versuchte ein bewaffneter Mann auf das Gelände vorzudringen. Auf dem Dach weht die blaue Fahne der Vereinten Nationen.
Die Villa in der Innenstadt, in der das UN-Entwicklungsprogramm seit 40 Jahren ein Büro unterhält, sieht vergleichsweise friedlich aus. Der Bau stammt aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts, er gehört der armenisch-orthodoxen Gemeinschaft. Neben der Straße fließt der Tigris. "Wenn wir vor dem Hotel Canal demonstrieren, wollen wir unseren Hass auf die dreckige Arbeit ausdrücken, für die sich die Leute in der UN-Uniform hergeben. Aber heute sind wir hier, um Kofi Annan unser Leid mitzuteilen", sagt ein hochrangiger Vertreter des irakischen Arbeiterbundes.
Studenten, Ärzte, Lehrer, Gastwirte - so ziemlich alle Berufsgruppen haben schon einmal bei Francis Dubois vorgesprochen, um dem ständigen UNDP-Vertreter ihr Leid zu klagen. Für gewöhnlich sieht das ungefähr so aus: Erst einmal lesen die Gäste ihm einen Schriftsatz vor, in dem sie die Entbehrungen der Bevölkerung darlegen und seinen obersten Chef, den Generalsekretär, um Hilfe bitten. Annan möge einen Angriff auf ihr Land verhindern.
Vor dem Haus halten Demonstranten derweil Bilder des irakischen Machthabers Saddam Hussein hoch. Sie rühmen ihn in Gedichten und schreien Parolen gegen die USA. Drinnen antwortet dann der 51-jährige Jurist: "Ich danke Ihnen für die Hoffnung, die Sie immer noch in die Vereinten Nationen setzen - lassen Sie sich versichert sein, dass wir Ihr Anliegen nach New York weiterleiten werden." "Etwas Tee, vielleicht? Unsere Tür steht Ihnen stets offen." Dann verabschieden sich die Gäste respektvoll von Dubois.
Vor seiner Versetzung nach Bagdad hat der Franzose lange Zeit in den Palästinensergebieten gearbeitet. "In Palästina hatten wir freundschaftliche Beziehungen, die Einwohner hatten grenzenloses Vertrauen in die Vereinten Nationen", erzählt Dubois. "Das gibt es hier natürlich nicht." Trotzdem ist er von seiner Aufgabe überzeugt: "Die UN ist die Zukunft der Menschheit."