Das Lächeln auf den Gesichtern von Åke Sellström und Ban Ki Moon sah etwas bemüht aus. Vielleicht lag es am Inhalt des Berichtes, den der schwedische Professor und Chemiewaffenexperte dem UN-Generalsekretär am Sonntag übergab und dessen Inhalt am Montag bekanntwurde: In Syrien wurde Giftgas eingesetzt. Das Gas ist bekannt: Sarin. Die Opfer sind bekannt: viele Zivilisten, viele Kinder.

Über die Täter sagt das 38 Seiten lange Papier jedoch nichts. Die Tätersuche gehörte nicht zum Mandat des Teams um Sellström, aber gerade diese Frage beschäftigt natürlich die Vereinten Nationen, beschäftigt Washington und Moskau, Paris und London, beschäftigt Peking und nicht zuletzt Damaskus. Doch Anschuldigungen in irgendeine Richtung finden sich weder in Sellströms Bericht an Ban noch in Bans Bericht an den UN-Sicherheitsrat.

Es gebe "klare und überzeugende" Beweise, dass Sarin am 21. August östlich von Damaskus "in größeren Mengen" eingesetzt worden sei, heißt es in dem Bericht. Das Gas sei mit Boden-Boden-Raketen verschossen worden und zu den Opfern gehörten "Zivilisten, darunter viele Kinder". Die Gutachter fanden das Sarin überall: In verschossenen Raketen, im Boden, an den Wunden von Patienten, im Blut, im Haar, selbst im Urin. Auch die Befragung von mehr als 50 Opfern und Helfern habe letztlich "ausreichende Hinweise" ergeben: Es wurde Sarin eingesetzt.

Selbst der nüchterne Wissenschaftler bemerkt in seinem Schreiben, dass die Ergebnisse der auch in deutschen Labors ausgewerteten Proben ihn und seine Kollegen "mit größter Sorge" erfüllen würde. Ban selbst sprach von einem "schweren Schock".

C-Waffen dürften nie eingesetzt werden, "von wem auch immer, unter welchen Umständen auch immer". Es sei eine grobe Verletzung internationalen Rechts. Aber von wem? Regierung und Rebellen beschuldigen sich seit März gegenseitig, Gas einzusetzen. Die Führung in Damaskus hatte die UN-Experten angefordert - ihnen dann aber fünf Monate lang die Einreise verweigert. Als sie dann doch kommen durften, wurden sie auf Schritt und Tritt überwacht.

Immerhin: Syrien hat den Beitritt zur Chemiewaffenkonvention beantragt - nach Drohungen aus Washington und Druck aus Moskau. Für den Westen steht fest, dass anhand der Beweise ohnehin nur Einheiten des Regimes für den Giftgasangriff vom 21. August in fra ge kommen. Weil in dem Bericht die Schuldigen nicht genannt werden, steht der Sicherheitsrat nach Ansicht der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch unter Druck. Das mächtigste UN-Organ müsse Syrien an den Internationalen Strafgerichtshof überweisen, "damit die Hintermänner zur Verantwortung gezogen werden können".

Vor allem müsse aber ein Signal her: "Für die Opfer des Giftgasangriffs, aber auch für die Zehntausenden, die durch ganz gewöhnliche Waffen gestorben sind."

Zum Thema:
Ein syrischer Militärhubschrauber ist gestrigen Montag unmittelbar an der Grenze zur Türkei abgestürzt. Syrische Aktivisten erklärten daraufhin, Rebellenkämpfer hätten den Armeehelikopter abgeschossen. Nach Berichten türkischer Fernsehsender schlug der Hubschrauber nurwenige Hundert Meter auf syrischer Seite der Grenze zu Yayladagi (Provinz Hatay) auf. Yayladagi liegt im äußersten Süden der Türkei. Zwei Mann Besatzung seien an Fallschirmen zu Boden gegangen. Nach türkischen Berichten töteten syrische Rebellenkämpfer die beiden Helikopterpiloten. Türkische Fernsehsender berichteten zuvor allerdings auch, dass die Besatzung geflohen sei.