Der Präsident des Umweltbundesamtes, Jochen Flasbarth, sagte der Zeitung: "Die streckenbezogene Maut ist die gerechteste Lösung, weil die Kosten dort bezahlt werden, wo sie entstehen." Derzeit koste der Pkw-Verkehr den Staat jährlich 47 Milliarden Euro mehr, als er über Benzin- und Kfz-Steuern sowie Parkgebühren einbringe. Die Maut-Einnahmen könnten in den Bau und Erhalt von Straßen fließen. "Wenn man sie einführt, kommt nur eine kilometerabhängige Maut über das gesamte Straßennetz in Betracht", sagte Flasbarth am Donnerstag. Die Ortung eines jeden Fahrzeugs könne per Satellit erfolgen, eine Umsetzung sei bis 2020 realistisch. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) wiegelte ab: "Die Pkw-Maut steht nicht im Koalitionsvertrag und deshalb nicht auf der Tagesordnung." Monika Gordes, stellvertretende Geschäftsführerin des "Städte- und Gemeindebundes Brandenburg" in Potsdam sagte auf RUNDSCHAU-Nachfrage: "Es verwundert, dass die Idee sich nur auf Pkw bezieht. Denn vor allem die Lkw ruinieren den Kommunen ja die Straßen und sind deutlich umweltschädlicher." Der Nabu (Naturschutzbund Deutschland) begrüßt den Vorschlag, wenn die Mehreinnahmen wirklich in bessere Straßen und den Umweltschutz fließen. "Bei der Lkw-Maut ist es jedoch so, dass etwa ein Drittel der Einnahmen dafür gebraucht werden, um überhaupt den organisatorischen Aufwand, der für die Maut betrieben werden muss, zu bezahlen", sagte Nabu-Verkehrsexperte Dietmar Oeliger im Gespräch mit der RUNDSCHAU. "Effizienter wäre das, was wir seit Jahren fordern: die Erhöhung der Mineralölsteuer." Damit würde dasselbe wie mit einer Pkw-Maut erzielt. "Die Fahrer würden ihre Autonutzung hinterfragen, zudem kommt mehr Geld in die Kasse, die an Verkehr- und Umweltprojekte weitergegeben werden könnten", so Oeliger. Er schlägt eine maßvolle Erhöhung der Mineralölsteuer über Jahre hinweg vor. Großer Verwaltungsaufwand sei dafür nicht nötig. Der "Automobilclub von Deutschland" (AvD) in Frankfurt am Main lehnt eine Pkw-Maut generell ab. "Das Erheben einer Maut ist nicht gerecht, da die Autofahrer über Mineralöl- und Kfz-Steuer jährlich ein Vielfaches dessen bezahlen, was überhaupt seitens des Staates in den Straßenverkehr zurückfließt", heißt es in einer Pressemitteilung.