In einer ehemaligen Fabrik wird die Gubener Plastinate GmbH, die von Hagens' Frau Angelina Whalley leitet, Scheibenplastinate von in Kunststoff konservierten Tier- und Menschenleichen herstellen. In spätestens fünf Jahren sollen eine Million dieser Querschnitte die Werkstätten verlassen.

Den Prozess der Plastination und ausgewählte Präparate können sich Besucher ab heute jeden Freitag, Samstag und Sonntag in der Schauwerkstatt und der anatomischen Ausstellung ansehen. Von Hagens hat zudem bei 15 000 Lehrern in Brandenburg und Berlin für Schulausflüge nach Guben geworben.

Gegen die kommerzielle Nutzung und Zurschaustellung der Körper Verstorbener protestierten gestern etwa 40 Gegner des Plastinariums. Transparente mit Aufschriften wie: "Guben - Wirtschaftsaufschwung mit Leichen? Nein danke!", wurden gezeigt.

Die evangelische Kirche hatte zuvor angekündigt, eine Verfassungsklage gegen das umstrittene "Plastinarium" des Leichenpräparators zu prüfen. Fachjuristen sollen die Vereinbarkeit der vorgesehenen Präsentation von Leichnamen mit der im Grundgesetz garantierten Menschenwürde prüfen, sagte der evangelische Pfarrer Michael Domke in Guben.

Gunther von Hagens bemüht indes zur Erklärung der Plastination andere Vergleiche. "Ein Plastinat ist so wenig ein Leichenteil wie ein Stück Fleisch auf dem Teller ein Kadaver ist", sagt der Heidelberger Anatom.

Der Leichenpräparator Gunther von Hagens hat bereits mit seiner umstrittenen Ausstellung "Körperwelten" viele Millionen Menschen in aller Welt angelockt. Der Anatom wurde als Gunther Liebchen am 10. Januar 1945 in Alt-Skalden bei Posen (Poznan) geboren. Er lebte und arbeitete später im ostthüringischen Greiz und nahm den Nachnamen seiner ersten Ehefrau von Hagens an. Von 1965 an studierte er Medizin an der Universität Jena.

Wegen seines Protestes gegen die Niederschlagung des "Prager Frühlings" und wegen eines Fluchtversuches 1968 wurde der Student verhaftet und 1970 von der Bundesrepublik als politischer Flüchtling freigekauft. Nach einem Medizinstudium in Lübeck und der Promotion in Heidelberg beschäftigte sich von Hagens ab 1977 mit der Präparation. In Heidelberg gründete er 1993 ein Institut für Plastination. Seit 1996 stellt das Institut unter dem Titel "Körperwelten" plastinierte Körper teils in Posen aus, die heftige Kontroversen auslösen.

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(/thr/dpa/jas)