Im Grunde war er das schon in den Jahren zuvor: Am Kapitalmarkt verdiente er Milliarden für seinen Arbeitgeber und kassierte dabei selbst schon lange mehr als sein damaliger Chef Josef Ackermann. Heute wird Jain 50 Jahre alt.

Als der "Geldmacher" und langjährige Kronprinz im Juni 2012 auf den Chefsessel des Dax-Konzerns rückte, war der öffentliche Aufschrei groß: Ausgerechnet ein Investmentbanker Londoner Prägung, der nicht einmal Deutsch spricht, sollte Deutschlands größtes Geldhaus führen? Schnell war von "Anshus Army" die Rede, einer Horde zockender Investmentbanker, die die Macht in den Zwillingstürmen im Frankfurter Bankenviertel an sich zu reißen drohe.

D och Jain und sein Partner Jürgen Fitschen lassen seit ihrem Amtsantritt öffentlich keinen Zweifel daran, dass sie an einem Strang ziehen. "Anshu sagte mir einmal, dass er mit mir mehr spricht als mit seiner Frau. Das ist langfristig natürlich gar nicht gut für die Ehe", schilderte Fitschen - und Jain sekundierte: "Das ist tatsächlich vergleichbar mit einer Ehe. Man muss viel einbringen, aber man hat auch gemeinsame Werte." Erklärtes Ziel der beiden Top-Manager: die Deutsche Bank wieder näher an die Menschen heranführen und damit auch das ramponierte Image einer ganzen Branche aufpolieren .

Viele Rechtsprobleme des Konzerns haben ihre Wurzeln im Investmentbanking, das Jain seit Jahren verantwortet. 1963 geboren im indischen Jaipur, studierte Anshu Jain Wirtschaft in Delhi und in den USA. Seine Karriere begann er bei einer kleinen Investmentbank in New York. 1988 wechselte Jain zu Merrill Lynch und kümmerte sich um Hedgefonds. 1995 kam er zur Deutschen Bank nach London. Gemeinsam mit seinem Förderer Edson Mitchell machte er die Deutsche Bank zu einer der führenden Investmentbanken weltweit. Der Einkommensmillionär gilt als zurückhaltend. Jain ist verheiratet und Vater von zwei Kindern.