Nur etwa jeder Dritte der rund 600 Befragten der aktuellen RUNDSCHAU-Umfrage hält eine Kreisgebietsreform überhaupt für notwendig. Für fast die Hälfte der Teilnehmer ist die geplante Reform nicht sinnvoll. Die restlichen Leser haben sich bei dieser insgesamt nicht repräsentativen Umfrage zu keiner Seite bekannt.

Die Befürworter sehen vor allem den demografischen Wandel und den Bevölkerungsrückgang als Motive für die Reform und für eine Neuordnung der Kreise. Außerdem käme es zum Bürokratieabbau und sinkenden Verwaltungskosten. "Die Reform ist sinnvoll, weil dadurch die Verwaltung gestrafft und einheitliche Grundsätze in größeren Gebieten durchgesetzt werden könnten", sagt ein Leser. Einige sind auch der Meinung, dass es derzeit zu viele, vor allem auch zu kleine Landkreise gibt. Wiederum andere bewerten eine künftige Neuordnung als richtige Reaktion auf die veränderten Strukturen in den vergangenen zwanzig Jahren. Selbst wenn Wege bei Behördengängen womöglich länger werden, sei das in Zeiten des Internets nicht allzu dramatisch, argumentieren die Befürworter.

Das sehen die Kritiker ganz anders. "Was soll denn durch diese Reform besser werden? Ich finde nichts", sagen viele der Gegner. Eine Reform würde kaum Einsparungen mit sich bringen. Durch die Neuordnung der Landkreise entstünden zu große Verwaltungseinheiten und die Wege für die Bürger würden länger. "Es gibt derzeit ganz andere Probleme, als Gebietskörperschaften zur Zusammenarbeit zu zwingen", so ein Leser.

Viele betrachten die derzeitigen Verwaltungsstrukturen als ausreichend. Das wurde auch bei der Frage nach der geplanten Reduzierung der Landkreise von 14 auf zehn deutlich. Topantwort von jedem Zweiten: Die Anzahl der Kreise sollte überhaupt nicht reduziert werden. Lediglich 17 Prozent finden die Idee gut.

Im Jahr 2030, an dem sich die Reform orientiert, sollen Landkreise eine Einwohnerzahl von 175 000 haben. Kann das im Einzelfall nicht erreicht werden, soll die absolute Untergrenze für einen selbstständigen Landkreis bei 150 000 Menschen liegen. Rund 30 Prozent der befragten Leser halten das für eine sinnvolle Überlegung.

Heiß diskutiert wurde die Frage, ob Städte wie Cottbus, Frankfurt (Oder) oder Brandenburg an der Havel ihre Kreisfreiheit einbüßen sollen und in einem neu zu definierenden Kreis aufgehen oder nicht. Hier gab es ein klares Leservotum: Knapp 50 Prozent sind gegen den Verlust der Kreisfreiheit einer Stadt wie Cottbus. "Weil sie dann einen herben Bedeutungsverlust hinnehmen müsste und einige wichtige Kompetenzen verlieren würde", argumentiert ein Leser. Befürworter dieser Idee halten dagegen, dass Cottbus profitieren und Schulden loswerden würde. Doch wie könnte er aussehen, ein neuer Landkreis? Eine Möglichkeit dürfte die Fusion von Cottbus mit dem Landkreis Spree-Neiße sein. Diskutiert wird auch ein neuer "Landkreis Niederlausitz" - bestehend aus Cottbus, Spree-Neiße und Oberspreewald-Lausitz. Käme Elbe-Elster noch hinzu, schlägt ein Leser die Bezeichnung "Landkreis Südbrandenburg" vor. "Wenn überhaupt, macht es Sinn, den Altkreis Calau und Spree-Neiße auf der einen Seite und den Senftenberger Altkreis mit Elbe-Elster zusammenzuführen", meint ein Leser. Nicht ganz ernstzunehmende Antwort: Schaffung eines Landkreises Gallinchen mit Achim Menzel als Ministerpräsidenten.

Ein wichtiger Teil der Kreisgebietsreform ist auch die "Funktionalreform": Hierunter verbirgt sich die Abgabe von 22 Landesaufgaben an die Landkreise. So sollen etwa der schulpsychologische Dienst oder die Aufsicht über Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe künftig Kreisaufgabe sein. Forstämter sollen ihre Aufgaben an die Landkreise abgeben. Auf die Frage, wie sinnvoll das wäre, sind die Leser uneins: Es komme auf die jeweilige Aufgabe an. Dass die geplante Reform zu einem Identitätsverlust der Leser mit ihrer Region führt, denken die wenigsten.

Zum Thema:
Die LAUSITZER RUNDSCHAU hat ein Umfrage-Center ins Leben gerufen, um mehr über die Gewohnheiten der Lausitzer und deren Meinung zu wichtigen Themen der Region zu erfahren. Abrufbar ist es unter umfrage.lr-online.de Mit der Teilnahme an Befragungen können wertvolle Prämienpunkte gesammelt und gegen Einkaufs-Gutscheine eingetauscht werden. Das Mitmachen ist kostenlos: Man lässt sich einmalig über eine Basisumfrage registrieren, erhält ein Passwort und ist exklusives Mitglied.