ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 00:00 Uhr

Umarmen verboten

Unter Beobachtung: Wie hier beim Auftakt in Freiburg wird der WM-Pokal bei seiner Tour durch Deutschland von einem Sicherheitsdienst bewacht.
Unter Beobachtung: Wie hier beim Auftakt in Freiburg wird der WM-Pokal bei seiner Tour durch Deutschland von einem Sicherheitsdienst bewacht. FOTO: dpa
Er ist die wertvollste Trophäe im Weltfußball. Heute können auch die Fans in der Lausitz dem WM-Pokal einen Tag lang ganz nahe sein. Cottbus ist die sechste Station der Fifa-WM-Tour quer durch Deutschland. Erstmals geht dabei das Original aus 18-karätigem Massivgold höchstpersönlich auf Reisen. Entsprechend streng sind die Sicherheitsvorkehrungen. Von FRANK NOACK


 "Der Pokal
wird bewacht
wie die
Bundeskanzlerin persönlich."
 Wolfgang Staab,
WM-Manager


Er wird heute einfach da sein, wie aus dem Nichts. Wo der Superstar übernachtet hat, ist natürlich streng geheim. Ebenso die Route, die er heute im Panzerwagen bis zum Vorplatz der Stadthalle nehmen wird - so will es der Fußballweltverband Fifa. Denn die Sicherheit des Pokals hat allerhöchste Priorität. "Wir wollen ihn sicher nach Berlin bringen", sagt Christopher Sonntag aus der Marketing-Direktion der Fifa. Denn am Abend des 9. Juli soll der Kapitän des neuen Weltmeisters den Pokal im Berliner Olympiastadion in die Höhe stemmen können.
Bis dahin befindet sich das 37 Zentimeter hohe und 6,175 Kilogramm schwere Kunstwerk des Italieners Silvio Gazzaniga in der Obhut von Christopher Sonntag und des von der Fifa engagierten Sicherheitsdienstes. Sonntag begleitete den Pokal auch während der dreimonatigen Welt-Tournee rund um den Erdball. 31 Städte in 29 Ländern hat der Pokal besucht. Überall war die Begeisterung riesengroß. Die meiste Arbeit hatten Sonntag und seine Kollegen in Kolumbien. Dort ging mit einem heißblütigen Fan das Temperament durch. "Der Mann ist über sämtliche Barrieren gesprungen. Nur, um einmal den Pokal umarmen zu können", erzählt der Fifa-Mann. Dies sei allerdings der einzige sicherheitsrelevante Vorfall während der dreimonatigen Welt-Tournee gewesen. "Der Fan wurde vom Sicherheitsdienst sehr schnell abgefangen, sodass wir den Pokal unversehrt wieder mitnehmen konnten", freut sich Sonntag.
Das Umarmen ist natürlich auch heute in Cottbus strengstens verboten. Dafür können sich die Fans für einen Euro mit dem Pokal ablichten lassen oder ihn selbst fotografieren. Doch auch dafür gibt es strenge Regularien. Und schon jetzt ist klar, dass längst nicht jeder der rund 10 000 erwarteten Fans in den Genuss des außergewöhnlichen Augenblicks kommen kann. Denn wie in den anderen Städten auch wird der Pokal heute in einem abgeschirmten Raum präsentiert, um das Sicherheitsrisiko kalkulierbar zu halten. Zuvor gibt es einen Videofilm zu sehen. Der mobile Kinosaal, den die Fifa auf dem Stadthallen-Vorplatz errichtet, bietet 120 Besuchern Platz. Dreimal pro Stunde wird der Film über den Pokal in der Zeit von zehn bis 20 Uhr gezeigt. Etwas Wartezeit sollte also mitgebracht werden. Auch am Mittwoch bei der fünften Station der Tour in Dresden bildete sich eine lange Schlange vor dem Einlass zum Kinosaal.
Immerhin ist es das erste Mal überhaupt, dass die Fifa das Original des Pokals der Öffentlichkeit präsentiert. Bei ähnlichen Touren im Vorfeld der WM 1998 in Frankreich sowie 2002 in Japan und Südkorea gab es jeweils nur eine Kopie zu begutachten. Auch sonst war das Goldstück in der Vergangenheit höchst selten zu sehen. Der echte Pokal war nur bei offiziellen Anlässen wie bei den Auslosungen, bei der Eröffnung und den Finalspielen zu sehen. Danach verschwand er wieder im Banktresor.
Nun also bekommen die Fans erstmals das "Allerheiligste des Weltfußballs" präsentiert, versichert Fifa-Präsident Sepp Blatter in seiner Grußbotschaft anlässlich der Tour quer durch Deutschland. Und diese Premiere lassen sich die Fifa und ihre Partner einiges kosten. "Wir nehmen viel Geld in die Hand, damit der Pokal absolut sicher ist", betont Wolfgang Staab vom nationalen WM- Or ga ni sa tions- Komitee. Wie viele Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes heute in Cottbus im Einsatz sein werden, darüber schweigt Staab. Auch über die Höhe der abgeschlossenen Versicherung mag er nicht reden. Der Manager verrät nur so viel: "Der WM-Pokal wird bewacht wie die Bundeskanzlerin persönlich." Wahrscheinlich ist das sogar noch untertrieben. Denn anders als der Pokal muss Angela Merkel schließlich nicht im Banktresor übernachten.