Stopp für Wasser und Strom
"Wir müssen ein Preisschild für jeden Angriff aus dem Gazastreifen festlegen", so Israels Vizeregierungschef Chaim Ramon, engster Vertrauter von Regierungschef Ehud Olmert. Ramon forderte in den Medien nicht-militärische Strafmaßnahmen: "Wir können nicht weiterhin Wasser, Treibstoff und Elektrizität liefern, während sie versuchen, unsere Kinder zu töten."
Auch die als moderat geltende Außenministerin Zippi Livni forderte gestern vor der Knesset ein energisches Vorgehen gegen anhaltenden Raketenbeschuss. Israel könne handeln, ohne dass eine humanitäre Krise im Gazastreifen ausgelöst werde. Auch als Außenministerin ziehe sie eine militärische Aktion gegen den Terror vor, selbst wenn der Preis dafür eine internationale Verurteilung sei.
In der Armeespitze ist man zur Überzeugung gekommen: "Eine Aktion im Gazastreifen ist eine Frage des Zeitpunktes", also unvermeidlich und nur aus politischen Gründen noch nicht vollzogen. Schließlich stehen die hohen jüdischen Feiertage an und danach folgt das von US-Präsident George W. Bush initiierte Regionaltreffen in Washington - während dessen Verlauf keine is rae lischen Soldaten im Gazastreifen stationiert sein sollten. Denn dass es bei einem zwar breit angelegten, aber kurzfristigen Einmarsch bleiben würde, gilt als illusorisch. Nur eine längere Militärpräsenz könne die Raketenbedrohung verringern, wenn auch nicht ganz eliminieren, erklärte auch der einen sofortigen massiven Einmarsch fordernde Oppositionschef Benjamin Netanjahu.
Das genaue Kräfteverhältnis im Sicherheitskabinett zwischen den Anhängern nicht-militärischer Maßnahmen wie Ramon und den Befürwortern eines Einmarsches als Vergeltungs- und Präventivaktion ist unbekannt. Klar ist nur laut Olmert, dass Israel "nicht mit der Situation leben und weitermachen könne wie üblich".

Wieder gezielte Tötungen
Laut dem Regierungschef gilt der anhaltende Befehl für die Sicherheitsorgane "jeden Raketenwerfer zu zerstören und jedermann zu treffen, der in den Beschuss verwickelt ist". Darüber hinaus ordneten die politischen Verantwortlichen die Wiederaufnahme beziehungsweise Intensivierung der gezielten Liquidierungen der Anführer des extremistischen Islamischen Dschihad an.
Die im Gazastreifen herrschende radikalislamische Hamas hat aus politischen Gründen den von ihr geförderten Raketenbeschuss israelischer Ortschaften wie Sderot, Aschkelon und der umliegenden Kibbuzim weitgehend dem noch extremistischeren Islamischen Dschihad überlassen.
Neun Raketen sind als "Gruß zum Schuljahresanfang" am Sonntag nach Sderot abgefeuert worden. Sie schlugen unmittelbar vor dem Schulbeginn und während der ersten Unterrichtsstunden in der Kleinstadt ein. Am Montag schlug bei dem schweren Beschuss eine Rakete auch im Hof einer Kindertagesstätte ein. Gestern bestreikte der Elternrat stufenweise den Schulunterricht, um Druck auf die Regierung auszuüben, gegen den Raketenbeschuss militärisch vorzugehen.
Brandmarkt Israel den Raketenbeschuss von Sderot als menschenverachtend, so ist der von Aschkelon nur als absurd zu bezeichnen. Denn das von den Raketenkommandos anvisierte Kraftwerk im Süden der Stadt liefert den Strom für den Gazastreifen. Insofern ist dem Vorschlag von Vizeregierungschef Ramon, nach jedem Raketenbeschuss die Stromversorgung Gazas für einige Stunden zu unterbrechen eine gewisse Logik nicht abzusprechen.