Nun also doch. Am Montag präsentierte der Dresdner CDU-Kreisverband seinen Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahlen im kommenden Juni. Der Kandidat heißt, wie erwartet, Markus Ulbig.

Der Ruf der Dresdner ereilt den 50-Jährigen gerade vier Tage nach seiner Vereidigung zum sächsischen Innenminister. Eine reichlich seltsame Konstellation, denn die Entscheidung der amtierenden OB Helma Orosz (CDU), nicht mehr anzutreten, war für keinen eine Überraschung. Doch die Landeshauptstadt ist für die Union ein unsicheres Pflaster geworden.

Im Stadtrat stellt die CDU zwar die stärkste Fraktion, hat aber seit der Kommunalwahl im Mai mit einer Mehrheit aus Linken, Grünen, SPD und Piraten zu tun. Die halten zusammen 37 der insgesamt 70 Sitze. Überhaupt sendete die Stadtratswahl bedrohliche Zeichen in die Unions-Zentrale. Nur 27,6 Prozent der Dresdner wählten Schwarz.

Gefahr droht nicht mal in erster Linie von den Linken, die 20,9 Prozent bekamen. Sondern eher von den Grünen, die zwar derzeit bei 15,7 Prozent liegen, die aber zwischen den Neustädter Szenequartieren und den Villen am Weißen Hirsch stetig wachsen. Damit schwindet die Hausmacht der CDU. Die feierte 2008 einen Triumph mit der ehemaligen Sozialministerin Helma Orosz. Die ging als starke, landespolitisch erfahrene Kandidatin in die Wahl und besiegte schließlich im zweiten Wahlgang den Kandidaten der Linken mit 64 Prozent. Inzwischen ist sie das einzige CDU-Oberhaupt einer deutschen Landeshauptstadt. Hier geht es um viel.

Eine Blamage wie zuletzt bei der OB-Wahl in Leipzig will man sich ersparen. Dort fand sich Anfang 2013 kein CDU-Kandidat, der es mit Amtsinhaber Burkhard Jung (SPD) aufnehmen wollte. In der Not stieg der parteilose Polizeipräsident Horst Wawrzynski in den Ring, doch der kämpfte auf verlorenem Posten.

Im Kampf um Dresden setzt die CDU indes auf ihren profiliertesten Kommunalpolitiker. Markus Ulbig war lange Rathauschef in Pirna und kennt als Innenminister Land und Leute. Einen "fachlich kompetenten, erfahrenen und sympathischen" Kandidaten nennt ihn der CDU-Kreisvorsitzende Christian Hartmann - der nebenbei als Ulbigs Nachfolger auf dem Ministerstuhl infrage kommt. Vorausgesetzt, die Sache geht gut.

Bereits am Sonntag wählte der Kreisausschuss Ulbig einstimmig zum Kandidaten. Ein Stadtparteitag im Januar soll Ulbig formal nominieren.

So weit sind die anderen Parteien noch nicht. Erwartbar ist derzeit nur, dass Ulbig mit dem amtierenden Ersten Bürgermeister Dirk Hilbert (FDP) einen starken Konkurrenten bekommt. Der 43-jährige Hilbert will als überparteilicher Kandidat antreten.

Auf einen solchen wollen sich auch die Mehrheitsfraktionen einigen, das haben Linke, Grüne, SPD und Piraten bereits angekündigt. Wie der heißen soll, ist noch unklar - doch geistern längst Namen durch die Gerüchteküche. In frage käme die SPD-Frau Eva-Maria Stange, die indes seit einer knappen Woche als Staatsministerin für Wissenschaft und Hochschulen vereidigt ist.

Die Grüne Eva Jähnigen wäre ebenso denkbar, sie sitzt wie auch Stange seit Jahren als Abgeordnete im Landtag. Ob die Linken noch einen Kandidaten-Kandidaten beisteuern, steht noch nicht fest.