Bis zur Landung der Bundeswehrmaschine in Bagdad wurde die Reise streng geheim gehalten - der Aufenthalt dort ist nach wie vor höchst gefährlich, auch wenn die Zahl der Anschläge zurückgeht. Zwei Tage lang will Steinmeier in dem Land bleiben, dessen Wirtschaft und Infrastruktur nach der Gewaltherrschaft Saddam Husseins und der US-Invasion von 2003 darniederliegen.In Bagdad kam Steinmeier zunächst mit Staatspräsident Dschalal Talabani und mehreren Regierungsvertretern zusammen. Die Liste der Themen für gemeinsame Projekte ist lang: Ausbau der Wirtschaftskontakte, Flüchtlingshilfe, Menschenrechtsfragen, Zusammenarbeit bei Bildung und Kultur. Und die irakischen Erwartungen an die Deutschen entsprechend hoch. "Es wäre großartig, wenn sie sich am Wiederaufbau noch mehr beteiligen würden", sagte Ministerpräsident Nuri el Maliki vor Steinmeiers Ankunft. Das Engagement deutscher Firmen im Irak sei gar "das Beste, was unserem Land passieren kann", fügte er hinzu. Der Bau eines neuen Schienensystems mithilfe deutscher Firmen sei bereits vereinbart.In der Delegation des deutschen Außenministers reisten sechs Wirtschaftsvertreter mit, unter anderem von Siemens, der Lkw-Sparte des Daimler-Konzerns und der auf Infrastruktur und Logistiksysteme spezialisierten Demag AG. Daimler erwägt den Bau einer Fabrik für Lkw-Teile im Irak, Siemens hatte im Dezember einen Vertrag über die Lieferung von Komponenten für Kraftwerke und Stromleitungen mit einem Umfang von 1,5 Milliarden Euro geschlossen.Ob Straßen, Maschinen, Energieversorgung, Gesundheit, Kultur oder Bildung - überall im Irak gebe es "einen ungeheuren Nachholbedarf", sagt der Islamwissenschaftler Guido Steinberg. Als "Ölgroßmacht in Wartestellung" verfüge das Land über die notwendigen Ressourcen für den Wiederaufbau. Steinmeiers Besuch könne der längst überfällige Beginn einer deutschen Irak-Politik sein, hofft Steinberg.