An diesen einen Ruck kann sich Herbert Greszuk (63) aus Recklinghausen noch genau erinnern. Es war der Ruck, der sein Leben veränderte. Vor einem Jahr war der Florist aus dem Ruhrpott zusammen mit seinem Partner Jörg Schulten (40) an Bord der "Costa Concordia". Der Überlebende kann noch immer nicht fassen, dass 32 Menschen bei dem Unglück in Italien ums Leben kamen. Manchmal, erzählt er, wache er nachts schweißgebadet auf. "Ich hatte Todesangst", sagt er.

Greszuk fordert von der italienischen Justiz die komplette Aufklärung des Unglücks. Seine Vorwürfe richtet er gegen den Kapitän Francesco Schettino, die Reederei und die Justiz. Greszuk klagt mit Hilfe eines Anwalts im nordrhein-westfälischen Marl gegen den Kapitän und verantwortliche Offiziere. "Es geht um den Verdacht der fahrlässigen Körperverletzung, der Aussetzung, Gefährdung des Schiffsverkehrs und um unterlassene Hilfeleistung", sagt Greszuks Anwalt Hans Reinhardt. Er vertritt insgesamt 19 Passagiere.

Das Angebot von Reederei und deren Versicherung, mit einer Pauschale von 11 000 Euro sämtliche Forderungen abzugleichen, hat Greszuk nicht angenommen. 50 000 Euro, so haben sie ausgerechnet, wären wohl eher angemessen. Allein für seinen verloren gegangenen Zahnersatz müsse er mehrere Tausend Euro bezahlen, sagt der Mann aus dem nördlichen Ruhrgebiet.

Für die seelischen Schäden könne es keine Wiedergutmachung geben. "In letzter Zeit bin ich einfach nur noch traurig. Mir ist nicht nach einem Lächeln zumute", sagt der Florist. Seit dem Unglück fehle ihm die für seinen Beruf nötige Kreativität, erzählt er. "Das Unbeschwerte fehlt mir." Manchmal fange er unvermittelt an zu weinen. Selbst vor Kunden kullerten ihm dann dicke Tränen über die Wangen, schildert der Besitzer des kleinen Blumengeschäftes.

Seit der Horror-Kreuzfahrt überlegt Greszuk, wie sicher die Schiffe überhaupt sind. Die "Costa Concordia" habe einen Tiefgang von sieben Metern bei einer Höhe über Wasser von etwa 60 Metern. Das könne unter schwierigen Bedingungen nicht gut gehen. "Das ist so, als wenn man im Kanu Samba tanzt. Das Schiff wurde aufgeschlitzt wie eine Heringsdose", meint der 63-jährige Blumenfreund. Seit dem Unglück hat er jeden Tag an die Katastrophe denken müssen. Herbert Greszuk kann ohne Medikamente nicht mehr einschlafen: "Nachts kommen die Tränen. Ich fühle mich unwohl."