Zittern, Schwitzen, Grinsen, am Boden liegen: Am Ende ist jeder froh, der es ins Ziel geschafft hat. Die Farbe der Turnschuhe lässt sich da längst nicht mehr erkennen. An den über und über mit Dreck beschmierten Beinen sind nur noch Matschklumpen zu erkennen. Aus Italien, Norwegen, Amerika und allen Ecken Deutschlands sind am Wochenende die Fans von extremen Herausforderungen an den Lausitzring nach Klettwitz gekommen. Deutsch, Englisch, Italienisch und andere Sprachen sind zu hören. Was die im Ziel überglücklichen Teilnehmer eint, ist die Überwindung einer 18 Kilometer langen Strecke, gespickt mit über 18 Hindernissen. Das Überspringen von Erdlöchern und Robben durch den Schlamm gehörten da noch zu den leichteren Übungen.

40 000 Kilo Eis, mehr als 200 freiwillige Helfer, zwei Wochen Aufbauzeit und mindestens 20 Nationen sind das Rezept für ein Event, das vor allem junge Männer und auch einige Frauen in die Lausitz gelockt hat. Schon acht Uhr morgens bei gerade einmal zwei Grad Celsius gehen die ersten Läufer auf die Strecke. Dort, wo sonst im Speedway-Camp Motorsport-Begeisterte in unmittelbarer Nähe der Lausitzring-Haupttribüne die Rennen Revue passieren lassen, wurde die Base-Area aufgebaut. Neben Duschen, Toiletten und wärmenden Getränken müssen sich in der Basis vor dem Start erst einmal alle Teilnehmer aufwärmen, die ersten Liegestütze sind da schon fällig. Danach geht es direkt in den Startbereich, aber nur für die, die auch die erste Hürde meistern: eine etwa zwei Meter hohe Holzwand. Nach der Erklärung aller Regeln können es die Teilnehmer schon gar nicht mehr erwarten, ungeduldig stürmen sie auf die matschige Strecke. Im Laufe des Tages werden so alle 20 Minuten insgesamt über 5500 auf die Strecke gehen, um den Parcours zu bezwingen, zwischen zwei und vier Stunden brauchen sie dafür.Nach einem Viertel der Strecke wartet die erste große Herausforderung namens Arktischer Einlauf ("Arctic Enema"), die von Weitem noch ganz harmlos aussieht. In einem riesengroßen Baucontainer, ausgekleidet mit einer schwarzen Folie, müssen sie in ein bis zwei Grad kaltes Wasser springen, durch ein Hindernis tauchen und am Ende wieder raussteigen. "Verdammt kalt" ist das Wasser, sind sich alle einig und gehen schon wieder auf die Strecke, um gegen die Kälte anzukämpfen. Nach einigen Kilometern gilt es dann, durch Schlamm ausgekleidete Röhren zu robben, zwei Meter hohe schiefe Holzwände zu überklettern oder sich im letzten Drittel an einem zwei Meter langen Klettergerüst entlang zu hangeln. Die Stangen haben einen Abstand von fast 50 Zentimetern und lassen sich durch Fett und Matsch besonders schwer greifen. Wer abrutscht, landet in einem eiskalten Wasserbecken.

Wer danach noch Tempo aufnehmen kann, hat wohl richtig für diesen extremen Marathon, bei dem übrigens keine Zeit gemessen wird, trainiert und schafft die letzten Hindernisse wohl mit links. Zum Schluss gilt es, eine vier Meter hohe Rampe, eine Quaterpipe, zu stürmen, die es sonst nur Snowboarder und BMX-Radfahrer mit ordentlichem Tempo hinaufschaffen. Hier sind die anderen Teilnehmer gefragt, denn alleine schafft es keiner. Unzählige Hände recken sich denen entgegen, die auf das obere Ende zusteuern. Auch nach mehreren Versuchen geben die meisten unter den Anfeuerungsrufen von Teilnehmern und Zuschauern nicht auf. Teamgeist ist auf der ganzen Strecke gefragt, alle unterstützen sich gegenseitig, egal welche Sprache sie sprechen. Das Rennen durch einen Vorhang aus geladenen Drähten, um ins Ziel zu gelangen, ist am Ende nur noch eine Kleinigkeit. Genauso wie das Abspritzen mit kaltem Wasser unter freiem Himmel niemanden mehr schockt. Glücklich im Adrenalinrausch schwört sich die Gemeinschaft ein baldiges Wiedersehen, beim nächsten Event.

Dass dies wieder auf dem Lausitzring stattfindet, kann Organisator David Gordon zwar noch nicht bestätigen, aber das Team war in der Lausitz sehr willkommen. Neben der guten Anbindung nach Dresden, Leipzig und Berlin lobt Gordon die Unterstützung bei der Organisation durch die Profis von der Rennstrecke, die Zusammenarbeit mit den örtlichen Behörden und Baufirmen. "Wir sind sehr zufrieden, das hier ist eine ideale Location."