Von Torsten Richter-Zippack

Mit insgesamt 24 gewählten Abgeordneten ist der Serbski Sejm, das Parlament der Sorben/Wenden, in Schleife (Landkreis Görlitz) erstmals zusammengetreten. Die Parlamentarier waren von knapp 1300 Menschen gewählt worden. In der Lausitz leben insgesamt knapp 60 000 Sorben/Wenden. Jeweils zwölf Abgeordnete stammen aus der Nieder- sowie der Oberlausitz. Einen Vorsitzenden des Serbski Sejm gibt es noch nicht. Bis zu dessen Wahl moderiert Alterspräsidentin Edith Penk aus Rohne (Landkreis Görlitz) das Parlament kommissarisch.

Hauptziel des Gremiums sei, dass sich die Sorben/Wenden von Bittstellern zu Mitgestaltern wandeln. So formuliert es Martin Walde von der Initiative Serbski Sejm, der Wegbereiterin des Parlaments. Der Kulturwissenschaftler bemängelt, dass die politische Organisation der Minderheit mit dem Serbski Sejm erst knapp 30 Jahre nach der politischen Wende in der DDR geregelt sei. Die Domowina als Dachverband sorbisch/wendischer Vereine verstehe sich zwar als Interessenvertreter aller Sorben/Wenden, allerdings besitze dieses Gremium keine politische Legitimation. Daher sei die Gründung des demokratisch gewählten Serbski Sejm in der 1400-jährigen Geschichte des westslawischen Volkes in der Lausitz überfällig. Schriftsteller Benedikt Dyrlich, ein maßgeblicher Protagonist für das Sorben-Wenden-Parlament, schätzt, dass mindestens 90 Prozent der frischgebackenen Abgeordneten gleichzeitig Mitglied der Domowina sind. Der Dachverband selbst sieht den Serbski Sejm bislang skeptisch.

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