Sachsen muss sich von Sozial-Experten die Kritik gefallen lassen, so gut wie keine gesicherten Erkenntnisse über die Kinderarmut in ihrem Land zu haben. Der Sprecher der Sächsischen Armutskonferenz, Ronald Blaschke, sagte, in Sachsen sei abgesehen von den Statistiken der Sozialhilfeempfänger nichts über den Stand der Armutsentwicklung und der Kinderarmut bekannt. Das Sozialministerium erklärte in diesem Zusammenhang jedoch, dass Sozialhilfebedürftigkeit nichts mit Armut zu tun haben müsse. Dem Statistischen Landesamt zufolge ist jeder
zwölfte, also rund acht Prozent
(50 400), der knapp 630 000 Minderjährigen in Sachsen von Sozialhilfe
abhängig. Seit 2000 stieg dieser Anteil von rund fünf Prozent an.
Bei ihrer eigenen Einschätzung der Armutslage im Land stützt sich die Landesregierung nach Angaben des Sozialministeriums vor allem auf eine Unicef-Studie zur "Kinderarmut im Jahr 2001". Danach liege der Anteil armer Kinder in Ostdeutschland bei 12,6 Prozent. Dies komme der Situation in Sachsen "sehr nahe", sagte Ministeriumssprecher Ralph Schreiber. Der im März vorgelegte Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung weist dagegen mit über 22 Prozent eine deutlich über der Sozialhilfequote liegende Armut für Kinder und Jugendliche in den Ost-Ländern aus.
Als einziges Land in Mitteldeutschland verfügt Sachsen-Anhalt über genaue Zahlen zur Kinderarmut. Nach Angaben der Regierung aus dem Jahr 2003 lebten zu Beginn dieses Jahrzehnts rund 80 000 Kinder in Sachsen-Anhalt in Haushalten unter der Armutsgrenze. Trotz eines starken Rückgangs seit 1990 sei noch immer jedes sechste Kind betroffen gewesen, während in den westlichen Bundesländern nur jedes zehnte Kind als arm galt.