"Trotz sinkender Bevölkerungszahl liegt sie seit 1999 bei knapp über 118 000", sagte der Geschäftsführer der Liga der Spitzenverbände der freien Wohlfahrtspflege in Sachsen, Friedhelm Fürst, in einer Umfrage. Gründe sind der demographische Wandel und der medizinische Fortschritt.
Immer mehr Menschen werden immer älter. Mehr als zwei Drittel der Pflegebedürftigen sind älter als 75 Jahre, knapp ein Drittel sind Hochbetagte. Fast 70 Prozent der Betroffenen werden - vor allem in den unteren Pflegestufen - von Angehörigen zu Hause gepflegt, "wobei dieser Anteil in den letzten Jahren leicht gesunken ist". Ältere Menschen brauchen in der Regel zunächst keine medizinische Hilfe, sondern Unterstützung im Haushalt. Der Medizinische Dienst der Krankenkassen legt die Pflegestufe fest.
Viele Angehörige nutzen die Hilfe von Pflegediensten der Wohlfahrtsverbände, Kommunen oder privaten Anbietern. Diese bieten auch Kurse an, die Grundkenntnisse der häuslichen Pflege vermitteln. Diese kostet viel Zeit und Kraft. "Pflege ist ein Knochenjob", beschreibt Gabriele Schlimper vom Paritätischen Wohlfahrtsverband Berlin die Belastung für Angehörige wie für professionelle Helfer. Bundesweit werden nach Angaben des Kuratoriums Deutsche Altenhilfe rund eine Million Menschen zu Hause versorgt. Die Pflege zu Hause ist auch eine kostengünstigere Alternative zum Heim.
Seit Einführung der Pflegeversicherung im Jahr 1995 bleiben Bedürftige länger zu Hause als früher. "Die Familienangehörigen nehmen die Hilfe ambulanter Pflegedienste immer stärker in Anspruch", berichtete Fürst. Rund 900 dieser oft kleinen Unternehmen gibt es in Sachsen. "Die Angebote der Pflegedienste wird in etwa in der Höhe des Pflegegeldes dazu gekauft", sagte der Geschäftsführer. "Die Pflege zu Hause ist für die Angehörigen aber in jedem Fall eine große Belastung, körperlich wie psychisch." Die Pflegeversicherung decke zudem bei weitem nicht die Kosten. "Die Pflege bleibt meist an den Frauen hängen, die zudem noch anderes zu tun haben", sagte der Fachreferent für Altenpflege bei der Caritas in Berlin, Hans-Joachim Wasel.
Durch die längere Pflege zu Hause müssen die Menschen heute später als noch vor einigen Jahren in ein Heim, sind aber in einem gesundheitlich schlechteren Zustand. "Wer Anfang der 90er-Jahre in eine stationäre Einrichtung kam, war meist knapp unter 70 Jahre alt", sagte Fürst. "Heute sind die Menschen meist Mitte 80." Einstellen müssen sich die Helfer zunehmend auf Altersverwirrung und Demenz. Da die Menschen älter werden, nehmen diese Krankheiten zu. "Da werden oft auch die eigenen Angehörigen nicht mehr erkannt", schildert Schlimper.
Kaum Probleme gibt es in Sachsen nach Darstellung von Fürst mit personeller Konkurrenz durch Pflegerinnen aus Tschechien und Polen. Im Freistaat stünden im Unterschied zu westlichen Bundesländern mehr Kranken- und Altenpfleger zur Verfügung. Die Ausländerinnen arbeiten in einer rechtlichen Grauzone und bieten meist für etwa 800 Euro im Monat ihre Dienste als Rund-um-Haushaltshilfe an.