Es ist eine Geschichte wie aus einem schlechten Krimi: Auf Bornholm stürzte am 15. September ein Geschäftsreiseflugzeug ab, ein kleiner, zweistrahliger Learjet. Das Flugzeug kam aus Strausberg. An Bord: Ein 37-jähriger Mexikaner und ein 28-jähriger Pole. Und jede Menge Ungereimtheiten.

Denn wie die dänische "Havarikommission", eine Einrichtung vergleichbar der deutschen Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU), feststellte, hatte das Flugzeug keine gültige deutsche Zulassung. Der Besitzer hatte keine gültige deutsche Pilotenlizenz und außerdem das Flugzeug falsch betankt: Es war genug Benzin an Bord, aber in einem Tank, dessen Leitungen zu den Motoren nicht geöffnet waren.

Hätte der Unglücksflug schon in Brandenburg verhindert werden können? Damit beschäftigte sich am Donnerstag der Verkehrsausschuss im Potsdamer Landtag. Denn es ist Sache einer Landesbehörde, der "Oberen Luftverkehrsbehörde Berlin-Brandenburg", die mehr als 50 Flugplätze, Segelfluggelände und Hubschrauberlandeplätze des Landes zu kontrollieren. Verkehrsminister Jörg Vogelsänger wiegelte ab: "Es ist allgemein nicht davon auszugehen, dass nicht zugelassene Luftfahrzeuge auf Brandenburger Flugplätzen verkehren."

Doch die Nachfragen vor allem der Abgeordneten Rainer Genilke (CDU) und Michael Jungclaus (Bündnis90/Die Grünen) ergaben ein anderes Bild: Wie der Leiter der Behörde, Wolfgang Fried, während der Ausschussitzung sagte, werden auf Flugplätzen in Brandenburg im Durchschnitt vier Mal pro Jahr Stichprobenkontrollen seiner Behörde durchgeführt.

Dabei würden aber nur Flugzeuge kontrolliert, die sich auf den öffentlichen Flächen des Flugplatzes befinden. Flugzeuge, die in einem Hangar stünden, würden nicht kontrolliert. "Flugzeuge, die nicht angetroffen werden, werden auch nicht kontrolliert", so Fried.

Und in Strausberg sei im laufenden Jahr nur ein einziges Mal kontrolliert worden. Auch wurde im Ausschuss deutlich, dass die zuständigen Behörden offenbar nicht automatisch informiert werden, wenn ein Flugzeug seine Zulassung verliert: Im Fall des Learjets in Strausberg erfuhren die Landesbehörde und der Flugplatzbetreiber davon erst nach dem Absturz. "Wäre dieses Flugzeug nicht abgestürzt, wären wir heute noch der Meinung, dass alles in Ordnung sei", sagte Genilke. "Was müssen wir denn tun, damit ein Flugplatz in die Lage versetzt wird, ein Flugzeug ohne Zulassung nicht starten zu lassen?" Im Grunde wisse doch jeder Flugplatz, wer wann geflogen ist, und welches Flugzeug mit welcher Kennung auf dem Platz steht, gab der Verkehrspolitiker zu bedenken.

Und auch Jungclaus wunderte sich darüber, dass die Flugplätze nicht automatisch über den Verlust einer Zulassung informiert werden.

Doch der Staatssekretär im Verkehrsministerium, Rainer Bretschneider, versuchte, die Bedenken der Abgeordneten beiseite zu wischen. "Sie können den Start eines Flugzeugs nicht verhindern, es sei denn, sie legen es an die Kette", so Bretschneider.

"Die Kommunikation mit dem Luftfahrtbundesamt muss besser werden, aber hundertprozentige Sicherheit werden Sie nicht bekommen." Und im Übrigen sei der Absturz in Dänemark auf einen Pilotenfehler und nicht auf die fehlende Zulassung zurückzuführen gewesen.

Den Abgeordneten aus dem Verkehrsausschuss freilich reichte das nicht: Sie überlegen nun, sich mit ihren Fragen an das Luftfahrtbundesamt zu wenden.