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| 02:45 Uhr

Türkische Armee greift kurdische PKK an

Bei der Beerdigung kurdischer Kämpfer solidarisieren sich die Menschen mit der PKK.
Bei der Beerdigung kurdischer Kämpfer solidarisieren sich die Menschen mit der PKK. FOTO: dpa
Istanbul. Die internationale Allianz verstärkt ihre Luftschläge auf die Terrormiliz Islamischer Staat. Auch die türkische Armee fliegt jetzt Angriffe – jedoch auf ein anderes Ziel: die kurdische PKK. dpa/bl

Der internationale Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat wird durch neue Gefechte zwischen der Türkei und der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK erschwert. Die türkische Armee flog erstmals seit mehr als eineinhalb Jahren Luftangriffe auf PKK-Stellungen im eigenen Land. Die Kurdenpartei warf dem Militär am gestrigen Dienstag eine Verletzung der Waffenruhe vor.

Die Spannungen zwischen der PKK und der türkischen Regierung waren durch die Kämpfe um die syrisch-kurdische Grenzstadt Kobane verschärft worden. Die PKK wirft Ankara vor, einem drohenden Massaker an den Kurden in Kobane durch die sunnitische Terrormiliz IS tatenlos zuzuschauen. Die Türkei weigert sich, den Kurden in Syrien militärisch beizustehen oder einen Korridor einzurichten, durch den Kurden aus anderen Gebieten den Kämpfern in der Stadt zu Hilfe kommen könnten. Die PKK ist eng mit den in Kobane kämpfenden kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG) in Syrien verbunden.

Der bewaffnete Flügel der PKK teilte mit, zwei Stellungen der kurdischen Milizen in Daglica in der Provinz Hakkari an der Grenze zum Irak seien bombardiert worden. In der Region hätten sich PKK-Kämpfer und Soldaten Gefechte geliefert. Die PKK-nahe Agentur Firat meldete, zunächst habe die Armee PKK-Stellungen mit Mörsern und Haubitzen beschossen. Danach sei es zu einem dreistündigen Gefecht gekommen. Anschließend hätten Kampfjets aus der Luft eingegriffen.

Türkische Medien berichteten, die Armee habe Kampfflugzeuge der US-Typen F-16 und F-4 eingesetzt, nachdem PKK-Kämpfer eine Polizeistation angegriffen hätten. Die Armee bestätigte die Luftangriffe nicht. Sie teilte lediglich mit, "Terroristen" hätten unter anderem in Hakkari Sicherheitskräfte angegriffen.

Die Kämpfe in der syrischen Kurdenbastion dauerten derweil an. Idris Nassan, Vize-Sprecher für auswärtige Angelegenheiten in Kobane, sagte aber, kurdische Kämpfer hätten dank der Luftschläge der internationalen Koalition einen strategisch wichtigen Hügel etwa sieben Kilometer von der Stadt entfernt vom IS zurückerobern können.

Die meisten Menschen aus der Stadt sind inzwischen in die Türkei geflohen. Nach Angaben des Flüchtlingswerks der Vereinten Nationen zieht eine wachsende Zahl dieser Menschen nun in die nordirakische Kurdenregion Dohuk weiter.

Im Irak ging indes die Anti-IS-Koalition lokalen Sicherheitskreisen zufolge nahe der Ölstadt Kirkuk mit den bislang heftigsten Luftschlägen gegen die Dschihadisten vor. Zuvor habe es Informationen über einen bevorstehenden Angriff gegeben.

Aufseiten des IS kämpfen indes auch viele Deutsche. Laut Medien und Behörden sind die meisten deutschen Kämpfer jünger als 30 Jahre.