Der Einmarsch türkischer Soldaten in den Norden des Iraks ist von der Türkei jedoch bislang nicht offiziell bestätigt worden. Nach Berichten des Fernsehsenders CNN-Türk hatten in der Nacht rund 1000 Soldaten die Grenze überschritten. Außenminister Abdullah Gül ließ in der Nacht keinen Zweifel daran, dass die Türkei eigene Truppen entsenden werde. Die USA hatten Ankara vor „unkoordinierten oder einseitigen Aktionen“ gewarnt. Die Kurden im Nordirak sind strikt gegen einen türkischen Einmarsch.

Sicherheitskabinett tagt

In Berlin will am Vormittag das Sicherheitskabinett zusammenkommen. Es dürfte im Kanzleramt „um die Lage in und um den Irak gehen“, sagte ein Regierungssprecher. Teilnehmen werden neben Bundeskanzler Gerhard Schröder, die Minister für Verteidigung, Äußeres, Inneres sowie der Chef des Kanzleramtes. Nach Medienberichten erwägt die Regierung, die deutschen Soldaten an Bord der AWACS-Aufklärer über der Türkei zurückzuziehen.

Bei den Bombardierungen am Samstag seien Regierungsgebäude im Zentrum, Paläste von Präsident Saddam Hussein und Ziele im Umland zerstört worden, berichteten dpa- Korrespondenten aus der Hauptstadt.

Die Infrastruktur blieb aber weitgehend unversehrt, so dass Bagdad weiter Strom und Wasser hatte. Luftangriffe gab es auch in den nordirakischen Städten Mosul und Kirkuk. Irakische Verbände leisteten im Süden weiter hartnäckigen Widerstand.

Weitere 8000 britische Soldaten einmarschiert

Nach Angaben des Pentagon ergab sich im Südirak die 51. irakische Infanteriedivision mit 8000 Mann und 200 Panzern. Dies wurde von Bagdad dementiert. Weitere 8000 britische Soldaten marschierten in den Irak ein. Wie die BBC berichtete, sollen die Fallschirmjäger und die Spezialeinheit „Wüstenratten“ die Ölfelder im Südirak absichern.

Die alliierten Streitkräfte haben die strategisch wichtige südirakische Hafenstadt Umm Kasr offenbar immer noch nicht vollständig unter Kontrolle. Nach CNN-Angaben durchsuchen US-Soldaten in der Stadt Haus für Haus. Die schweren Luftangriffe auf Bagdad dauerten bis zum Morgengrauen an. Wie aus dem Pentagon verlautete, wurden bis zu 1500 Marschflugkörper und Präzisionsbomben abgefeuert.

Unterdessen verloren die Alliierten ihren dritten Helikopter: Beim Zusammenstoß zweier britischer Hubschrauber über dem Persischen Golf sind dabei sieben Soldaten ums Leben gekommen. Es handelt sich um sechs Briten und einen Amerikaner, teilte ein britischer Militärsprecher mit. Die Untersuchung über die Ursache des Unglücks dauere an.

Bei den Luftangriffen auf Bagdad habe es laut irakischem Informationsministerium bisher mehr als 200 Opfer gegeben. Der Minister Mohammed Sajjid el Sahhaf machte keinen Unterschied zwischen Toten und Verletzten. Meldungen der alliierten Seite über amerikanisch-britische Erfolge im Süden des Iraks bezeichnete er als „Lügen“. Der Vormarsch der alliierten Kräfte sei aufgehalten und sie würden sich zurückziehen. Heftige Kämpfe gebe es immer noch um die Stadt Umm Kasr und auf der Halbinsel Fao.

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