Mit seiner Forderung beißt der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu in Brüssel und Berlin aber auf Granit. "In keinem Fall darf sich Deutschland oder Europa erpressen lassen", sagte der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel in Rostock.

Gleichzeitig verschärften sich die Spannungen mit Deutschland. Ankara bestellte den deutschen Gesandten ins Außenministerium ein - aus Protest dagegen, dass Präsident Recep Tayyip Erdogan am Sonntag nicht per Videoschaltung zu seinen Anhängern in Köln sprechen durfte. Dort hatten bis zu 40 000 Menschen bei einer Demo ihre Unterstützung für Erdogan gezeigt.

Die EU und die Bundesregierung sind dagegen besorgt über die Entlassung von Zehntausenden Staatsbediensteten und die Festnahme von fast 19 000 mutmaßlichen Regierungskritikern in der Türkei nach dem gescheiterten Putsch vor gut zwei Wochen. Aus Furcht vor einem Überschwappen des innertürkischen Konflikts hat das Bundesverfassungsgericht die Übertragung von Erdogans Rede nach Köln letztlich verboten. Darüber zeigte sich Ankara erbost und bestellte gestern den Gesandten Robert Dölger ein. Einzelheiten des Gesprächs sind noch nicht bekannt.

Dazu kommt der erneute Streit über das Flüchtlingsabkommen zwischen der Türkei und der EU vom März. Darin hatte Ankara versprochen, illegal nach Griechenland übergesetzte Flüchtlinge zurückzunehmen. Im Gegenzug sagte die EU Finanzhilfen zu und stellte unter anderem die Visumfreiheit für Türken in Aussicht. Dafür gelten aber 72 Bedingungen, von denen fünf noch immer offen sind.

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