Ankara verfolge darüber hinaus "keine geheimen Absichten", bekräftigte Regierungssprecher Cemil Cicek gestern in Ankara.
Der türkische Generalstabschef Hilmi Özkök betonte vor einer geplanten Inspektionsreise in den Südosten der Türkei, die türkischen Streitkräfte seien bereit und warteten auf eine Entscheidung der Regierung. US-Präsident George W. Bush hat die Türkei eindringlich vor einem Einmarsch gewarnt. Washington habe der türkischen Regierung zu verstehen gegeben, dass sie keine Truppen in den Nordirak schicken sollte, sagte Bush. Die US-Regierung befürchtet, dass es zu Zusammenstößen zwischen Türken und Kurden kommen könnte.
In einer "Rede an die Nation" erklärte Regierungschef Erdogan am Sonntagabend, die Türkei wolle Flüchtlingsströme jenseits der Grenze kontrollieren und gegen die Sicherheit der Türkei gerichtete "Provokationen" verhindern. "Wenn die Türkei im Nordirak präsent ist und präsent sein wird, geschieht dies aus humanitären Erwägungen und aus Sorge vor Terror."
Der Regierungssprecher kritisierte, dass die Türkei im Golfkrieg 1991 mit mehr als 500 000 Flüchtlingen aus dem Irak alleingelassen worden sei. Außerdem habe die Türkei in der Folgezeit eine "große Terrorwelle" erlebt, sagte der Sprecher mit Blick auf den langjährigen Guerillakrieg der Kurdischen Arbeiterpartei PKK.
In Brüssel beriet der Nordatlantikrat, das höchste Gremium der Nato, über die Entwicklung in der Türkei und den Einsatz des Bündnisses zum Schutz des Nato-Mitglieds Türkei vor einem irakischen Angriff. Deutschland und Belgien wollen ihre Unterstützung entziehen, falls türkische Truppen in den Nordirak einrücken sollten.
Der EU-Beauftragte für die gemeinsame Außenpolitik, Javier Solana, betonte, die Europäische Union sei bereit, der Türkei bei der Flüchtlingsproblematik zu helfen. "Es gibt keine Notwendigkeit (für die Türkei), die Grenze zu überschreiten", sagte Solana gestern in Berlin. Unter Nato-Kommando stehen zurzeit etwa 1000 Soldaten in der Türkei. (dpa/kr)