Seit Jahrhunderten hat der sächsische Tüftlergeist große Neuerungen hervorgebracht und Namen wie Johann Friedrich Böttger oder Manfred von Ardenne stehen für bahnbrechende Errungenschaften aus Sachsen.
Auch heutzutage ist die Lust an neuen Entdeckungen im Freistaat noch deutlich zu spüren. Mit zwölf Erfinderclubs, in denen insgesamt rund 175 Mitglieder organisiert sind, ist Sachsen ostdeutscher Spitzenreiter und rangiert im bundesweiten Vergleich auf Platz vier.
Dennoch macht sich unter den hiesigen "Düsentriebs" wachsender Unmut breit. Auf Erfindermessen würden Ideen von Firmen einfach geklaut, klagt Hartmut Fournes, Leiter des Zittauer Clubs, wo vor allem an technischen Neuerungen gebastelt wird.
Ein energiesparender, mit Licht betriebener Thermotank für Lastwagen, den einer seiner zwölf Klubkollegen vor zwei Jahren entwickelt habe, werde nun beispielsweise von einem französischen Unternehmen produziert. "Durch Zufall hat der davon erfahren", erzählt der Zittauer Tüftler-Chef und hauptberufliche EDV-Fachmann. Doch meistens komme ein solcher Ideenklau erst gar nicht ans Licht. Dagegen vor Gericht zu ziehen, sei erfahrungsgemäß wenig aussichtsreich und zu teuer, sagt Fournes.

Teure Patentanmeldungen
Teuer sind auch Patentanmeldungen. "Wer von uns kann es sich denn leisten, erst einmal Tausende von Euro an einen Patentanwalt zu zahlen, ohne zu wissen, ob die Erfindung jemals hergestellt wird“" fragt er verärgert. Die Mehrzahl seiner Kollegen bastelten daher nur noch zum Zeitvertreib, ohne an die Öffentlichkeit zu gehen und auf den großen finanziellen Durchbruch zu hoffen. "Wir bringen die Menschheit voran, ohne dass sie davon erfährt", bringt es Fournes auf den Punkt.
Ähnlich sieht es Manfred Williger, Koordinator der insgesamt drei Erfinderclubs in Freital, darunter des bundsweit einzigen, der sich auf Spiele spezialisiert hat. "Es geht vor allem darum, Spaß zu haben und sich etwa Neues auszudenken", erklärt er. Dagegen werde man von Firmenchefs, bei denen man für die eigene Entdeckung werben möchte, meist nur mitleidig belächelt, schildert er seine Erfahrung.
"Die Unternehmen bezahlen ihre eigenen Produktentwickler, die Neuheiten heranschaffen sollen. Alles andere interessiert sie nicht." Entsprechend niedrig seien daher die Aussichten, seine Erfindungen an den Mann zu bringen. Und gegen Ideenklau sei man ohnehin machtlos, berichtet Williger.

Pfiffiges nur für Eigenbedarf
Seinem Zittauer Kollegen bereitet die Tatsache, dass die Zahl der Patente im Freistaat im vergangenen Jahr um knapp sechs Prozent auf 848 zurückging und auch deutschlandweit rückläufig ist, aber in der Zwischenzeit keinen Kummer mehr. Er werde seine Erfindungen, darunter selbstheizende Treppenstufen und einen vollautomatischen Dachrinnenreinigungsroboter, eben nur noch im eigenen Haus verwenden, erklärt Fournes trotzig. Und auch über den Schutz seiner Konstruktionen vor Nachahmern macht er sich inzwischen keine Sorgen mehr: "Ich erzähl einfach niemandem, wie die Dinger funktionieren." Internet: www.erfinderclubs.de