Sie kommen aus Syrien oder Libyen, aus der Ukraine oder Bosnien: Der Flüchtlingszustrom nach Berlin führt auch bei der medizinischen Vorsorge zu Engpässen. Das für die ganze Stadt zuständige Tuberkulose-Zentrum in Lichtenberg arbeitet nach eigenen Angaben „am Anschlag“. Zu den Aufgaben des Zentrums gehört es unter anderem, Obdachlose oder Flüchtlinge routinemäßig auf Tuberkulose zu untersuchen, bevor sie in eine öffentliche Gemeinschaftsunterkunft einziehen.

„Der Flüchtlingszuwachs zeigt sich bei uns unmittelbar“, sagte die Leiterin des Zentrums, Gisela Glaser-Paschke der Nachrichtenagentur dpa. Zwar sei der Zustrom schon seit Mitte 2012 spürbar, nun habe er sich aber erheblich verstärkt. Täglich würden 80 bis 100 Röntgenaufnahmen bei Erwachsenen gemacht und zusätzlich bis zu 50 Kinder untersucht.

Wenn sich dieser Trend bis zum Jahresende fortsetze, komme das Zentrum in diesem Jahr auf 10 000 Röntgenuntersuchungen - rund ein Fünftel mehr als noch im Vorjahr. „Es ist voll bei uns und die Wartezeiten sind lang, trotz Sondersprechstunden“, sagte Glaser-Paschke. Nicht selten gebe es Sprachbarrieren.

Bislang gibt es laut der Leiterin jedoch keine Anzeichen, dass der Zustrom auch die Zahl der Tuberkulose-Diagnosen in die Höhe treiben könnte: Berlin verzeichnet zwar seit mehreren Jahren Zuwächse - 346 Tuberkulose-Fälle wurden 2013 beim Robert-Koch-Institut (RKI) gemeldet. Mit rund 250 registrierten Fällen bis Ende September deute in diesem Jahr zunächst alles auf einen niedrigeren oder gleichbleibenden Wert hin.

Schon in der Vergangenheit hatte es am Tuberkulose-Zentrum Engpässe gegeben. Zu Jahresbeginn hatte das Zentrum eine neue Röntgenanlage und weitere Räumlichkeiten bekommen. Mit seinen derzeit 23 Mitarbeitern ist es auch für die Kontrolle der in Berlin laufenden Tuberkulose-Therapien zuständig.

Tuberkulose ist weltweit verbreitet, besonders häufig ist die Infektionskrankheit in armen Ländern. Die meist über die Luft übertragenen Erreger verursachen schwere Lungenentzündungen, die auch zum Tod führen können. In Deutschland sinken die Fallzahlen nach Angaben des RKI seit mehreren Jahren in Folge kaum noch - besonders betroffen sind Ballungsräume.