Verlegen nesteln die Nachwuchs-Musikanten an den messingfarbenen Blasinstrumenten herum. "Insgesamt ward Ihr alle super", beschwichtigt der Leiter der Beeskower Musikschule schnell.
Schließlich hielten die 40 Fünftklässler vor einem Jahr erstmals Tuba, Querflöte, Saxophon oder eben Horn in der Hand, versuchten sich lippenschürzend an den ersten Tönen. Damals entstand das erste Blasorchester an einer Grundschule als brandenburgweit einmaliges Projekt.

Kosten tragen Sponsoren
Denn die Kosten für vier Stunden Unterricht wöchentlich, Notenmaterial und Instrumente wurden durch Sponsoren zusammengetragen, die Beeskower Musikschule übernahm die Patenschaft und stellt die Fachlehrer. Den Eltern der Mädchen und Jungen entstehen bis auf einen Euro Versicherungsbeitrag monatlich keine weiteren Kosten. Ohne eine großzügige Unterstützung von Landkreis und ortsansässiger Sparkasse hätte das laut Wesner "zukunftsträchtige Modell" nicht funktioniert.
"Wenn wir durch musische Bildung erziehen wollen, dann sind wir auch in der Pflicht, das allen Kindern gleichberechtigt zu bieten, auch jenen aus sozial schwachen Familien", erklärt Grundschulleiter Eberhard Schulze, der seine Idee mit dem Breitensport vergleicht. Er ist vor allem froh, dass alle 40 Blasmusik-Eleven auch wirklich beim Musikmachen und Noten-Lesen blieben, niemand entnervt das Handtuch warf. "Keiner der Schüler war völlig untalentiert."
Lediglich zwei Jungen wechselten von den Blasinstrumenten zu E-Bass-Gitarre und Keyboard. Schulze spricht auch von positiven, pädagogischen Nebeneffekten des Projekts. Ist doch wissenschaftlich erwiesen, dass eine intensive Musikausbildung die Konzentrationsfähigkeit bei Kindern steigert. Und nicht nur das: "Die Schüler sind disziplinierter, übten, aufeinander Rücksicht zu nehmen, haben mehr Freude am Lernen."
Der eben bewältigte Auftritt ist eines der ersten gemeinsamen Konzerte der frisch gebackenen Nachwuchsmusiker: Der Rhythmus ist manchmal noch etwas schwerfällig und nicht genau auszumachen, doch die Melodie bleibt erkennbar, völlig schräge Töne sind nicht zu hören. "Das Experiment ist geglückt, ich bin über die erreichten Leistungen völlig überrascht", meint der erfahrene Musikpädagoge Wesner nicht ohne Stolz.

Musik-Empfingen schulen
"Im Umgehen mit Computern sind unsere Jüngsten heute schon im Kindergartenalter fit, musisches Empfinden hingegen bleibt auf der Strecke", begründet er sein Engagement für das Grundschul-Orchester. Ganz uneigennützig ist Wesners geduldige Noten-Arbeit jedoch nicht. Ist er doch immer auf der Suche nach Nachwuchs-Talenten für sein seit 14 Jahren bestehendes Jugendblasorchester und an der Grundschule bereits fündig geworden. Ein Viertel der Instrumenten-Neulinge nimmt inzwischen an der Beeskower Musikschule zusätzlichen Unterricht.
Und er hofft auf weiteren Zuwachs. Das Projekt hat so überzeugt, dass nach den Winterferien auch die neuen, 36 Viertklässler Blasinstrumenten-Unterricht an der Beeskower Grundschule erhalten.