Der tschechische Energiekonzern EPH könnte sich eine Übernahme der Vattenfall-Braunkohlesparte in der Lausitz vorstellen. EPH besitzt bereits die Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft Mibrag in Sachsen-Anhalt. "Die Mibrag hätte selbstverständlich Interesse", sagte EPH-Sprecher Daniel Castvaj am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa in Prag. Zuvor hatte der RBB darüber berichtet. Die Mibrag könne mit der "vollen Unterstützung" der tschechischen Eigner rechnen, sagte der Sprecher weiter. Noch sei es aber verfrüht, von Übernahmeplänen zu sprechen.

In der Vorwoche hatte der schwedische Energiekonzern Vattenfall bekanntgegeben, den Verkauf seiner Braunkohle-Sparte prüfen zu wollen. Der Staatskonzern betreibt im zweitgrößten Braunkohlerevier Deutschlands derzeit fünf Gruben in Brandenburg und Sachsen und mehrere Kraftwerke, die mit Braunkohle betrieben werden. Die neue schwedische rot-grüne Regierung setzt aber auf erneuerbare Energien und stemmt sich gegen die Braunkohle-Pläne von Vattenfall. Der Konzern geriet in Zugzwang.

Vattenfall wollte sich nicht dazu äußern, ob es bereits Gespräche mit der Mibrag oder dem tschechischen Konzern zu einem möglichen Verkauf gab. "Wir stehen noch ganz am Anfang des Prozesses", kommentierte ein Firmensprecher die Verkaufspläne. Auch zu weiteren möglichen Kaufinteressenten machte er keinerlei Angaben.

Die EPH-Holding gehört den tschechischen Multimillionären Daniel Kretinsky und Patrik Tkac sowie der slowakischen Investmentgruppe J&T. Die EPH kontrolliert neben der Mibrag unter anderem auch den polnischen Steinkohleförderer PG Silesia. Bei der Mibrag ist das EPH-Tochterunternehmen EP Energy alleiniger Gesellschafter. Unter anderem betreibt die Mibrag zwei Tagebaue in Sachsen und Sachsen-Anhalt.

Das Interesse aus Tschechien stieß bei den Grünen im sächsischen Landtag auf Kritik. Man bezweifle, dass EPH bereit wäre, "auch die Risiken des Kohlegeschäfts bei einem Verkauf von Vattenfall zu übernehmen", sagte der energiepolitische Sprecher der Fraktion, Gerd Lippold. "Grundwasseranstieg, Gifte, Erdrutsche - all das ist für viele Jahrzehnte unberechenbar." Stattdessen solle Vattenfall weiter diese Risiken tragen - und die sächsische Politik gleichzeitig dem Konzern Chancen im Bereich der erneuerbaren Energien eröffnen.