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Trump kanzelt auch die G7 ab

Miese Stimmung am Verhandlungstisch in Taormina auf Sizilien. Auch hier blieb US-Präsident Donald Trump auf Konfrontationskurs.
Miese Stimmung am Verhandlungstisch in Taormina auf Sizilien. Auch hier blieb US-Präsident Donald Trump auf Konfrontationskurs. FOTO: dpa
Taormina. Wie beim Nato-Gipfel in Brüssel blockiert der US-Präsident auch bei den Beratungen mit Vertretern der führenden westlichen Industrienationen Entscheidungen. Differenzen stürzen die demokratische Wertegemeinschaft in eine Krise. Kristina Dunz, Michael Fischer, André Stahl und Andreas Landwehr /

US-Präsident Donald Trump blockiert die Gruppe der sieben führenden westlichen Industrienationen (G7). Auf dem G7-Gipfel in Taormina auf Sizilien zeigte sich am Freitag große Uneinigkeit mit den USA über Freihandel, Klimaschutz und in der Flüchtlingskrise.

Durch die Blockade Trumps steuerte das zweitägige Treffen auf ein Debakel zu. Der Widerstand der neuen US-Regierung gegen gemeinsame Lösungsansätze verhinderte früher mögliche Kompromisse. Kritiker beklagten, dass Trump die Funktion der jährlichen Treffen der Staats- und Regierungschefs untergrabe.

Nach dem Nato-Gipfel in Brüssel, wo schon schwere Differenzen zutage getreten waren, blieb der US-Präsident auch in Italien auf Konfrontationskurs. Kritiker sprachen von "Trampel-Trump".

Einigkeit gab es lediglich im Anti-Terrorkampf. Kurz nach dem verheerenden Attentat von Manchester einigten sie sich darauf, dass sich die Innenminister treffen sollen. Zudem rufen die G7 soziale Netzwerke auf, ihre Anstrengungen gegen den Missbrauch des Internets zu erhöhen.

Vor dem Gipfel hatte Trump schon scharfe Kritik an den deutschen Handelsüberschüssen geübt. In Gesprächen in Brüssel hatte er die Deutschen - je nach Übersetzung - als "sehr böse" oder "sehr schlecht" ("very bad") kritisiert. In Taormina bestätigte Juncker, dass sich Trump beschwert habe. Allerdings sei das von Trump in keiner Weise aggressiv vorgetragen worden, sondern in konstruktiver Atmosphäre. ",Bad' heißt nicht böse", sagte Juncker und nannte entsprechende Medienberichte übertrieben. Völlig offen war gestern zunächst, ob sich die G7 nach den zweitägigen Beratungen in ihrem Abschlussdokument - wie in der Vergangenheit - klar für freien Handel und gegen Protektionismus aussprechen. Bisher hat die neue US-Regierung auch im Kreis der großen Industrie- und Schwellenländer (G20) ein Bekenntnis blockiert. Trumps Wirtschaftsberater Gary Cohn sagte vor dem Gipfel: "Wir werden eine sehr kontroverse Debatte über den Handel haben, und wir werden darüber reden, was frei und offen bedeutet." Es gehe um faire Spielregeln.

Tusk rechnete mit harten Debatten. "Es besteht kein Zweifel daran, dass dies der schwierigste G7-Gipfel seit Jahren sein wird." Auch andere Beobachter sprachen von einem "Tiefpunkt" in der Geschichte der G7 und warnten vor einem "Reinfall" des Treffens. In Taormina erwarteten die G7-Partner auch Aufschluss über die Position Trumps zum Pariser Klimaschutzabkommen, in dem sich die Staatengemeinschaft verpflichtet, den Ausstoß von Treibhausgasen zu verringern. Trump erwägt einen Ausstieg aus dem Abkommen. Der US-Präsident empfinde es als "ungerecht" und schädlich für die Wirtschaftsentwicklung der USA, sagte Cohn: "Wir müssen Vorschriften loswerden, die Wachstum behindern." Die anderen G7-Staaten Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Japan, Italien und Kanada warnen eindringlich vor einem Ausstieg der USA.

Außer Trump sind auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, die britische Premierministerin Theresa May und der italienische Ministerpräsident Paolo Gentiloni neu in der Runde, in der Merkel die Dienstälteste ist. Ebenfalls dabei sind die Premiers von Kanada und Japan, Justin Trudeau und Shinzo Abe.