Zwischen Mandelbäumchen und Rosenstöcken stehen gepflegt gestrichene Wohncontainer. Es gibt einen Fitnessraum, einen Flipper, Postfächer und einen Satellitenfernseher im Speisezelt. Die Bundeswehr hat sich im vergangenen Vierteljahr in Kundus bereits recht wohnlich eingerichtet. Noch in diesem Jahr soll ein größeres Lager errichtet werden. Sicher können sich die rund 220 deutschen Soldaten des regionalen Wiederausbauteams aber nicht fühlen. "Man muss mit Anschlägen rechnen", sagt Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) in Kundus. Gefahr drohe insbesondere von den Taliban, die in die Gegend von Kundus eingesickert seien. Die Sicherheitslage nennt Struck daher "ruhig, aber nicht stabil". Ein Offizier im Lager bringt es auf den Punkt: "Wenn hier irgendjemand eine Handgranate hineinwirft, dann ist es mit der Ruhe vorbei."

Sehr freundliche Bevölkerung
Bisher allerdings läuft für die Deutschen alles nach Plan. Struck lobt die Soldaten als "hoch motiviert", spricht von einer "sehr guten Aufbauleistung". Auch von den lokalen Machthabern werde die Arbeit der Bundeswehr "hoch geschätzt". Die fast durchweg vollbärtigen Soldaten selbst äußern sich ebenfalls zufrieden. Fast allen gefällt es in Kundus besser als in der Hauptstadt Kabul. Der Dienst sei abwechslungsreicher, die Landschaft auch und die Bevölkerung ist "sehr, sehr freundlich zu uns", heißt es unisono.
Der evangelische Militärpfarrer Thomas Hämmerle hat daher seelsorgerisch auch nicht allzuviel zu tun. Das Leben im Lager sei zwar einfach, habe aber "familiären Charakter", führt der 40-Jährige zur Begründung an. Einigen mache allerdings die "ungewohnte kulturelle Umgebung" und vor allem die allgegenwärtige bittere Armut der Bevölkerung zu schaffen. Alle müssten sich erst daran gewöhnen, in dieser Kälte "Kinder barfuß durch den Schlamm laufen zu sehen".
Doch Kundus rappelt sich langsam wieder auf. Zu Kriegszeiten Schauplatz heftiger Kämpfe zwischen Nordallianz und Taliban, regt sich erkennbar neues Leben in der 100 000-Einwohner-Stadt, die in einer fruchtbaren Ebene mit Weizen- und Reisfeldern liegt. Bunt geschmückte Pferdewagentaxis durchpflügen die schlammigen Straßen, in Bretterverschlägen haben die fleißigen Afghanen ihre Handwerksbetriebe und Läden eingerichtet. Mit amerikanischer, schwedischer und deutscher Hilfe wird ein neues Krankenhaus gebaut.

Schulen und Brunnen errichtet
Die deutschen Hilfsorganisationen präsentieren stolz das seit November 2003 Erreichte: Vier Schulen und 203 Brunnen seien fertiggestellt worden, außerdem wurden Brücken und Bewässerungsanlagen errichtet. Mit dem Straßenbau hapert es allerdings noch gewaltig. Die Nationalstraße 2, die Kundus duchzieht, gleicht einer Buckelpiste.
Das anfänglich schwierige Verhältnis zwischen den Hilfsorganisationen und der Bundeswehr wird mittlerweile als entspannt beschrieben. Es sei keineswegs Aufgabe der Soldaten "mit der Waffe hinter den Entwicklungshelfern herzulaufen", erläutert der scheidende Kommandeur der Isaf-Kontigents in Kundus, Oberst Kurt Schiebold. Es gelte vielmehr, ein Klima der Sicherheit zu schaffen. Dafür habe die Bundeswehr in Nordafghanistan bereits "160 Kontakte" angebahnt.
Besonders wichtig ist für die Deutschen ein gutes Verhältnis zum lokalen Militärmachthaber, General Mohammed Daud, der mehrere tausend Mann unter Waffen hat. Während des Struck-Besuches stehen seine Milizionäre demonstrativ am Rande der Nationalstraße Spalier, Daud will offenkundig zeigen, wer der wahre Herr im Hause ist.