Der Streik des Pflegepersonals an Europas größter Universitätsklinik, der Berliner Charité, ist in die zweite Woche gegangen. Die Gewerkschaft Verdi rechne damit, dass erneut mehr als jedes Dritte der insgesamt 3000 Betten nicht belegt werden könne, sagte Verdi-Sekretär Kalle Kunkel am Montag der Deutschen Presse-Agentur. Zu den Tarifverhandlungen am Montag wollte er keine detaillierten Angaben machen.

Die Gespräche liefen in einer konstruktiven Atmosphäre, gestalteten sich aber schwierig.‎ An diesem Dienstag ist ein Demonstrationszug zur Senatsverwaltung für Wissenschaft geplant, dem Sitz der Charité-Aufsichtsratsvorsitzenden und Senatorin Sandra Scheeres (SPD).

„Bereits im Jahr 2014 hat sich der Landesparteitag der SPD hinter die Forderungen der Charité-Beschäftigten gestellt. Wir fordern Frau Scheeres auf, den Weg frei zu machen, für gute Arbeitsbedingungen an der Charité und damit auch den Beschluss des SPD-Landesparteitags umzusetzen“, heißt es im Aufruf zur Demonstration.

Verdi hatte am vergangenen Montag das Pflegepersonal an der Klinik zu einem unbefristeten Streik aufgerufen. Nachdem ein Gericht dies für rechtmäßig befunden hatte, waren am Donnerstag die Verhandlungen wieder aufgenommen worden. Die Gewerkschaft fordert eine Aufstockung des Pflegepersonals um zusätzliche 600 Stellen an den drei Standorten. Die Charité lehnt dies ab, weil das 36 Millionen Euro im Jahr mehr kosten würde und nach Angaben der Klinik finanziell nicht zu stemmen ist.

Auch in der zweiten Woche müssen Kunkel zufolge bislang 200 Operationen pro Tag gestrichen werden. Ein Notdienst sichert die Versorgung der Patienten allerdings.