Kanzlerpark, Kanzleramt, Paul-Löbe-Haus und Marie-Elisabeth-Lüders-Haus mit den Abgeordnetenbüros, den Ausschuss-Sälen und der Parlamentsbibliothek bilden eine von West nach Ost verbindende Spange. 900 Meter lang, wie ein weißer Riegel.
Seit Jahren jedoch plagt Schultes der Ärger, weil in Wahrheit sein Meisterwerk nicht vollendet worden ist. Nach RUNDSCHAU-Informationen ist nun beschlossene Sache, dass sich der Bundestag vergrößern und sich trotz leerer Kassen einen Anbau in Höhe von rund 100 Millionen Euro gönnen wird - 350 neue Büros sollen für die Verwaltung entstehen. Warum dann nicht auch in einem Atemzug das "Herz" des Schultes-Entwurfs mit realisieren„
Das Band des Bundes wird zerschnitten durch eine schnöde Straße zwischen Kanzleramt und Paul-Löbe-Haus, durch eine Freifläche mit ein paar Bäumchen, die Schultes despektierlich "Vorgärtchen der Politik" nennt. Ursprünglich sollte genau dort das Bürgerforum entstehen, der einzige Nicht-Polit-Bau, der Kern des Konzeptes. Er sollte ein Forum für den bürgernahen Austausch und für Diskussion sein, mit Schauräumen zur deutschen Geschichte - Kosten: 200 Millionen Euro.

Der baupolitische Wille fehlte
1,5 Milliarden Euro verbuddelte der Bund insgesamt in Berlins Mitte, der ganze Umzug von Bonn nach Berlin kostete rund 20 Milliarden Euro. Bei solchen Summen sei der Grund für das Nein zum Forum nicht das Geld gewesen, ist sich der Architekt sicher: "Der baupolitische Wille war nicht vorhanden." Altkanzler Helmut Kohl habe das Kanzleramt eben stets als mächtigen Solitär haben wollen. Inzwischen empfindet es der 63-Jährige schon als "Verrat" an seinem Forum, dass der Bundestag unlängst anlässlich der Fußballweltmeisterschaft beschlossen hat, dort für 2,43 Millionen Euro die Reichstagskuppel als Arena für 500 Menschen nachbauen zu lassen. "Eine fürchterliche Zwischennutzung", schimpft Schultes gegenüber der RUNDSCHAU über die "alberne Kuppel".

Anbau ans Lüders-Haus
Gibt es jetzt vielleicht Grund zur Hoffnung“ Es kommt Bewegung in die baupolitische Konzeption des Bundestages. Dem Vernehmen nach wird der Bund Anfang 2008 wieder die Bagger an der Spree auffahren lassen und trotz knapper Kassen das Marie-Elisabeth-Lü ders-Haus durch einen Anbau auf der davor liegenden Grünfläche erweitern. Das Gebäude mit der Bibliothek, mit Sporthalle und Sauna für Abgeordnete und einem großen Anhörungssaal war erst Ende 2003 offiziell eingeweiht worden. 100 Millionen Euro will Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) ausgeben, Insider rechnen bereits mit mehr. Mitte Februar präsentierte er dem Haushaltsausschuss sein Vorhaben. "Eine vernünftige Version des Forums ist auch mit dieser Summe zu machen", fordert Schultes die Politik nun zum erneuten Nachdenken auf. Doch für den durchaus umstrittenen Anbau mit mindestens 350 neuen Büros gibt es aus Sicht des Bundestages Gründe, für die Wiederbelebung der Pläne zur Begegnungsstätte aber nicht. Viele der rund 2500 Bundestagsmitarbeiter sind noch in anderen Liegenschaften des Bundes untergebracht, die über die Stadt verteilt sind. Zusammenlegung heißt die Losung. "Wir sind jetzt in der Phase der Raumbedarfsplanung", erklärt die zuständige Bundesbaugesellschaft. Im Herbst werde man eine Entscheidungsgrundlage für die Baukommission des Bundestages, das Finanz- und das Bauministerium erarbeiten, die dann grünes Licht für den Entwurf geben sollen.
Doch Schultes will nicht locker lassen. "Jede Verlängerung ist vernünftig", urteilt er mit Blick auf den auch in seinem Entwurf geplanten Anbau. Das Forum als Herz des Konzeptes sei aber hundertmal wichtiger als die Erweiterung. "Nehmt noch 100 Millionen Euro mehr in die Hand und baut endlich beides", appelliert der 63-Jährige. Mit viel Frust, aber wohl wenig Hoffnung.