Als Günter Grass 1999 der Literaturnobelpreis verliehen wurde, fühlten sich auch die Danziger ein bisschen als Sieger. Schließlich war es auch ihre Stadt, die der Schriftsteller immer wieder in den Mittelpunkt seiner Romane gerückt hatte. Nicht nur in Danzig waren die Schaufenster der Buchhandlungen damals innerhalb weniger Stunden mit den gesammelten Grass-Werken dekoriert.

Uneinigkeit zwischen dem Schriftsteller und seiner heute polnischen Heimatstadt herrschte lediglich in der Frage eines Grass-Denkmals in einem Park unweit seines Geburtshauses im Stadtteil Wrzeszcz, einst Langfuhr. Grass fand es übertrieben, dass ihm schon zu Lebzeiten ein Denkmal gesetzt werden sollte. Jetzt ist dort Blechtrommler Oskar Matzerath, die wohl berühmteste Romanfigur von Grass, verewigt. Seit allerdings 2006 bekannt wurde, dass Grass Mitglied der Waffen-SS war, ist das Verhältnis vieler Danziger und Polen zu dem Schriftsteller gespalten. Der einstige Arbeiterführer und Friedensnobelpreisträger Lech Walesa forderte Grass zur Rückgabe der Ehrenbürgerschaft Danzigs auf - und wurde dafür prompt von dem einflussreichen Journalisten und ehemaligen Bürgerrechtler Adam Michnik scharf kritisiert. Es sei unfair, die Lebensbilanz eines großen Schriftstellers so zu reduzieren, schrieb Michnik in einem Kommentar. Vor allem für die Anhänger der nationalkonservativen Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) war Grass seither nicht mehr als Ehren-Danziger tragbar. Doch ein Versuch, im Rat die Aberkennung der Ehrenbürgerschaft durchzusetzen, scheiterte.

Danzig organisierte "seinem" Schriftsteller bereits Ende Juni eine Feier zum 85. Geburtstag: Eine Ausstellung von Grass-Aquarellen in der städtischen Kunstgalerie, eine Reihe literarischer Spaziergänge auf den Spuren von Grass für Literaturfreunde und eine Drama-Inszenierung von Grass' "Im Krebsgang" über die Schiffskatastrophe der "Wilhelm Gustloff" an Bord der Segelfregatte "Dar Pomorza". Überschattet wurden die Veranstaltungen von dem kurz zuvor veröffentlichten Israel-kritischen Gedicht.