Im Cottbuser Carl-Thiem-Klinikum sind in diesem Jahr bis Montagabend 1027 Babys zur Welt gekommen. Im Gegensatz zum Vorjahr konnte die Schallmauer von mehr als 1000 Geburten durchbrochen worden. Doch daraus einen Trend zu mehr Geburten in der Region oder der Lausitz auszumachen, wäre zu optimistisch. Obwohl sich der milliardenschwere Krippen-Ausbau und das Elterngeld positiv auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ausgewirkt haben, gingen die Maßnahmen des Bundes allenfalls einher mit dem Stopp des rückläufigen Geburtentrends. Das bestätigen die Zahlen der statistischen Ämter von Bund und Ländern. Sie weisen aber auch darauf hin, dass sich Ost und West bei der Familienplanung immer mehr angleichen.

Das Beispiel Sachsen: Die Einwohnerzahl im Freistaat schrumpft seit mehr als 50 Jahren. Damals hatte Sachsen etwa 5,5 Millionen Einwohner. Heute leben hier etwa 4,05 Millionen. Das sind 15 Prozent weniger als Ende 1990. Seither ist der Bevölkerungsrückgang in Sachsen hauptsächlich durch ein Geburtendefizit verursacht. Von 1990 bis 2013 wurden in Sachsen insgesamt 762 373 Kinder geboren, das waren 520 515 weniger, als Menschen im gleichen Zeitraum gestorben sind. Bis 1994 halbierten sich die Geburtenzahlen. Seitdem stieg die Zahl wieder an und erreichte im Jahr 2013 mit 34 800 Lebendgeborenen den zweithöchsten Wert seit 1990. Was aber noch weit unter dem damaligen Niveau lag.

Das Beispiel Brandenburg: Künftig muss im Land mit einer sinkenden Bevölkerungszahl von 2,52 Millionen im Jahre 2008 auf 2,23 Millionen im Jahre 2030 gerechnet werden (minus 11,7 Prozent). Auch hier ist das ständig steigende Geburtendefizit die Hauptursache. Dabei sind die Unterschiede im generativen Verhalten der Brandenburger Bevölkerung zum Alt-Bundesgebiet nach Einschätzung der Statistiker nur noch vergleichsweise geringfügig. Es wird erwartet, dass die Geburtenhäufigkeit der Frauen im Prognosezeitraum im Landesdurchschnitt auf dem Niveau des Basisjahres 2008 bleibt. Das bedeutet, dass in Brandenburg durchschnittlich 1,4 Kinder je Frau geboren werden, womit der Ersatz der Elterngeneration allerdings nur zu etwa zwei Dritteln gewährleistet ist. Die meisten Geburten sind von Frauen im Alter von 25 bis 32 Jahren zu erwarten. In der Prognose wird angenommen, dass sich die Altersstruktur der Gebärenden nicht noch weiter verändert, da sie bereits weitgehend der Struktur in den alten Ländern entspricht.

Die Deutschland-Statistik: Im Jahr 2013 wurden in Deutschland 682 100 Kinder geboren (siehe Grafik). Nach Abgaben des Statistischen Bundesamt waren das rund 8500 Neugeborene mehr als im Vorjahr. Die zusammengefasste Geburtenziffer betrug bisher 1,41 Kinder je Frau. Sie hat sich damit im Vergleich zum Jahr 2012 (1,40 Kinder je Frau) nur geringfügig verändert.

Der Anteil von Kinderlosen: Der Präsident des Statistischen Bundesamtes Roderich Egeler nennt den hohen Anteil von Kinderlosen als Hauptgrund für das auch im internationalen Vergleich niedrige Geburtenniveau in Deutschland. Unter den 40- bis 44-jährigen Frauen hatten 2012 rund 22 Prozent keine Kinder. Dabei lag die Kinderlosenquote in Westdeutschland mit 23 Prozent deutlich über dem Ostniveau von 15 Prozent. Dabei stieg die Kinderlosenquote seit 2008 bundesweit um zwei Prozent. Und besonders schlug sich dieser Trend in Ostdeutschland nieder, wo der Anteil von zehn auf 15 Prozent in die Höhe schnellte. Im Westen war schon 2008 in dieser Altersgruppe mehr als jede fünfte Frau ohne Nachwuchs.

Die regionalen Unterschiede: Den höchsten Anteil an Müttern gibt es in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, wo 86 Prozent aller Frauen mindestens ein Baby geboren haben. Unter den westlichen Flächenländern war der Anteil der Kinderlosen im Saarland und in Baden-Württemberg mit rund 20 Prozent am niedrigsten. Dagegen gilt Hamburg als Deutschlands Hauptstadt der Kinderlosen: Jede dritte Frau bleibt hier kinderlos.

Der Wunsch nach Karriere: Aufgrund ihrer langen Ausbildung schieben Akademikerinnen ihren Kinderwunsch oft lange auf - und verwirklichen ihn mitunter nie. 20 Prozent verzichten letztlich auf Nachwuchs im Vergleich zu den Frauen ohne Hochschulabschluss.

Der erhoffte Ausweg: Weil die meisten Frauen ihre Kinder im Alter zwischen 25 und 35 bekommen, ist für die künftige Entwicklung der Geburtenzahlen entscheidend, wie sich diese Altersgruppe in den nächsten Jahren verhält. Bis 2020 bleibt die Gruppe der 25- bis 35-Jährigen relativ konstant. Danach jedoch sinkt sie rapide, weshalb nach diesem Zeitpunkt deutlich weniger Kinder zu erwarten sind als heute. Nur bei einem deutlichen Anstieg der Geburtenrate auf 1,6 ließe sich nach Einschätzung der Statistiker der absehbare Einbruch der Geburtenzahlen nach 2020 noch verhindern. Bislang jedoch gäbe es für eine solche positive Entwicklung keinerlei Anzeichen.

Der internationale Trend: In Deutschland liegt die Geburtenrate seit 1975 konstant niedrig zwischen 1,24 und 1,45 Kindern pro Frau. Im Jahr 2010 waren es 1,39 Kinder, 2011 dann 1,36. Zum Vergleich: Die meisten Geburten in Europa verzeichnet Island mit 2,2 Kindern pro Frau. Auch in Frankreich und Skandinavien werden deutlich mehr Kinder geboren als bei uns. An letzter Stelle in Europa rangiert mit 1,17 Kindern Lettland.