Wien im November, das kann ziemlich trostlos sein. Am Montag war es jedenfalls so. Außenminister Frank-Walter Steinmeier musste aus dem Palais Coburg im I. Bezirk, wo seit Dienstag über eine Lösung für den jahrelangen Dauerstreit um das iranische Atomprogramm verhandelte wurde, raus in den Regen. Steinmeier verkündete dann ziemlich genau das Gegenteil von dem, was er eigentlich sagen wollte: Wieder nicht geschafft, immer noch kein Durchbruch, Zukunft ungewiss.

Trotz Bestbesetzung - die Außenminister aus allen fünf Vetomächten des UN-Sicherheitsrats, aus Deutschland und aus dem Iran - gelang es auch dieses Mal nicht, den Atomstreit zu lösen. Der Plan, mit internationalen Kontrollen zu verhindern, dass Teheran unter dem Deckmantel eines zivilen Nuklearprogramms eine eigene Atombombe entwickeln kann, ist immer noch nicht umgesetzt. Im Gegenzug bleiben deshalb auch die Sanktionen in Kraft.

Die Top-Diplomaten reizten nicht einmal die Frist aus, die sie sich selbst gesetzt hatten, Montagabend um 23.59 Uhr. Als Steinmeier in den Regen musste, war es erst kurz nach 14.30 Uhr. Gleich danach machte er sich auf den Heimweg nach Berlin. Immerhin blieb den Ministern eine lange Nachtsitzung erspart, mit der in Wien die meisten gerechnet hatten.

Ansonsten ist es nicht besonders viel, was nach all der Mühe der vergangenen Tage nun auf der Habenseite steht. Im Kern: Man will weiterverhandeln, endgültig gescheitert sind die Gespräche noch nicht. Auch Steinmeier übte sich in Zweckoptimismus. "Keiner ist hier heute deprimiert aus den Verhandlungen gegangen", sagte er vor dem Palais. "Es ist der Befund aller Beteiligten, dass es noch eine Chance gibt, zueinander zu kommen."

Steinmeier sprach auch von einigen "neuen Ideen", ohne dass zunächst klar wurde, wie die aussehen könnten. An der Abschlusserklärung, die es nach solchen Treffen immer gibt, wurde am Nachmittag noch gearbeitet. Was den Zeitplan angeht, soll es nun noch vor Weihnachten ein neues Treffen der Unterhändler geben. Die sieben Minister werden sich allerdings wohl frühestens im April sehen. Als neues Zieldatum wurde in Wien der 1. Juli genannt.

Warum die Gespräche nicht zum Erfolg wurden, darüber gingen die ersten Analysen ziemlich durcheinander. Die bisherige EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton, die bislang viel Lob für ihre Verhandlungsführung bekommen hatte, trat dieses Mal zurückhaltender auf. Von außen betrachtet wirkte die Vorbereitung nicht wie das Maß aller Dinge. Ob die britische Lady Atom-Verhandlerin bleibt oder auch dieses Amt an ihre EU-Nachfolgerin Federica Mogherini übergibt, ist noch offen.

Viele überraschte auch, dass die große Runde - also alle sieben Außenminister plus Ashton - am Montag nur etwa eine Stunde lang zusammen beriet. Für Verwunderung in einigen Delegationen sorgte, dass die beiden wichtigsten Verhandler - US-Außenminister John Kerry und sein iranischer Gegenpart Mohammed Dschawa Sarif - offensichtlich von zu Hause keine absoluten Handlungsvollmachten hatten.

Dabei war die Konstellation für einen Abschluss dieses Mal wohl so gut wie noch nie - weil der iranische Präsident Hassan Ruhani die Aufhebung der Sanktionen als eines seiner zentralen Wahlkampfversprechen durchsetzen wollte, aber auch die anderen großes Interesse an einem außenpolitischen Erfolg hatten: US-Präsident Barack Obama, um zu beweisen, dass er sich trotz der jüngsten Wahlniederlage durchsetzen kann, die Russen, um nicht wieder isoliert zu sein. Auch Steinmeier hätte dies zum Ende eines internationalen Krisenjahres 2014 gut gepasst.

Einer der Teilnehmer meinte am Montagnachmittag dazu: "Wir hätten alle von einem Abkommen profitiert. So aber gibt es überhaupt keine Gewinner." Und auch die Hoffnung, dass es im nächsten Jahr etwas werden könnte, ist nicht besonders groß, auch bei den Deutschen nicht.

Steinmeier selbst hatte die Verhandlungen erst vor ein paar Tagen noch einen "Make-or-Break-Moment" genannt, also eine Art "Alles-oder-Nichts"-Situation. "Das ist eine Chance, die wir jetzt haben. Wir müssen sie nutzen. Wenn wir sie am 24. November versäumen, dann wird einfach eine Verlängerung der Verhandlungsoptionen nicht die Lösung bringen, nicht in den nächsten zwei Jahren." Am Montag, im Regen von Wien, ließ er offen, ob die Einschätzung noch gilt.