Am Ende waren sie alle froh und stolz. Der SPD-Landrat sprach von einem guten Tag für Brandenburg und einer ungeheuren Leistung der kommunalen Genehmigungsbehörden. In der Tat hing die fristgerechte Fertigstellung der Baugenehmigungen am seidenen Faden. In der vergangenen Woche waren noch in einer Nachtsitzung zwischen dem Tropical-Management sowie dem kommunalen Wasser- und Abwasserverband die Konditionen für die Ver- und Entsorgung des Tropenparks ausgehandelt worden.
Aber das war nur eines von vielen Problemen. Seit dem Herbst hatten Zweifler in treudeutscher Mentalität geunkt, ein solch großes Projekt könne unmöglich binnen weniger Monate baurechtlich sattelfest über die Bühne gehen. Und es ging doch. CargoLifter-Insolvenzverwalter Rolf-Dieter Mönning wertete das als eine „unglaubliche Leistung“ der Behörden in Brandenburg und fügte hinzu: „Uns war klar, dass es ein Kraftakt wird, der schiefgehen könnte.“ Wille sagte: „Ich bin froh, dass es gelungen ist, unseren Teil für das Projekt zu leisten.“ Er verwies auch auf Querschüsse. „Offensichtlich wollen nicht alle Menschen, dass die Ansiedlung Erfolg hat.“
Der ungewohnte Termindruck, der in den kommenden Monaten andere in die Pflicht nehmen wird, ergebe sich aus der „asiatischen Mentalität“ , Zeiträume sehr eng abzustecken, erklärte Mönning. Schon am 2. Oktober soll die Eröffnung der Tropenlandschaft erfolgen. In die Monate bis dahin fallen Ausschreibungen für die einzelnen Bauprojekte, die gärtnerischen und die Bauarbeiten selbst, die gastronomische Ausstattung, das Anlegen einer Lagune und eines Sees in der Halle sowie eine Reihe von Erschließungsarbeiten.
Die Baugenehmigungen sind mit Auflagen erteilt worden. Diese betreffen den Brandschutz, das Einhalten der Energieeinsparverordnung sowie noch vorzunehmende Erschließungen. Es handelt sich dabei aber nicht mehr um große Hürden, sondern um „gewöhnliche Arbeitsaufgaben“ , wie Mönning es formulierte. Es geht dabei um Brandschutztüren, auch um die Frage der Wärmedämmung. Zu diesem Energiesparproblem soll inzwischen ein Gutachten von Prof. Dr. Klaus Hänel, Chef des Lehrstuhls Technischer Ausbau der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus, vorliegen.

Vom Investor freigestellt
Bei den Erschließungen nimmt der Investor den Kommunen, die dafür eigentlich zuständig sind, sogar Aufgaben ab. „Er hat uns davon freigestellt“ , sagte Landrat Wille. Das spart den Kommunen Geld, das sie ohnehin nicht haben. Umso unverständlicher nannte Wille die Kritik einiger Medien daran, dass der Investor seine rechtlichen Möglichkeiten zur Beantragung von Fördermitteln nutzt. Landessache ist auf jeden Fall der Ausbau der Straße zwischen Brand und Krausnick einschließlich einer Brücke über die Bahnanlagen. Dies ist auch schon in der Zeit vor Tropical Island geplant worden. Es handelt sich schließlich um eine Landesstraße. Im April sollen die Arbeiten ausgeschrieben werden. Über diese Entscheidung des Brandenburgischen Straßenbauamtes wurde gestern informiert.

Tropical Island soll erweitert werden
Tropical-Präsident Colin Au, der sich mit dem britisch-malaysischen Konzern Tanjong je zur Hälfte in die Finanzierung des Projektes teilt, hat zur Realisierung des Tropenparks die Tropical Island Asset Management GmbH gegründet, der von deutscher Seite Joachim Hagemann als Geschäftsführer vorsteht. Der sprach von 800 Bewerbungen, die für die bis Oktober zu schaffenden 500 Arbeitsplätze bereits vorliegen. Für die erste Phase des Projekts, das später noch in der Halle selbst sowie außen (beispielsweise Hotels) erweitert werden soll, sind einschließlich des Hallenkaufs rund 70 Millionen Euro eingeplant. Bisher seien die Investoren allen Zahlungsverpflichtungen pünktlich nachgekommen, erklärten sowohl der Insolvenzverwalter als auch der Landrat gestern.
Au hält weiterhin 2,5 bis drei Millionen Besucher jährlich für realistisch. Er beruft sich auf die Studie einer Beratungsgesellschaft. Die Eintrittspreise sollen so gestaltet werden, dass sie keine Hürde darstellen. Eine Familientageskarte wird nach jetzigen Planungen 50 Euro kosten, ein Sechs-Stunden-Ticket soll für zehn Euro erhältlich sein.

Hintergrund
Island, Islands und die Lausitzer Tropen

Die Lausitzer Tropen werden offiziell als Tropical Island bezeichnet. Bei Colin Au steht aber Tropical Islands auf der Visitenkarte. Beides ist richtig. Denn Colin Au plant weltweit nicht weniger als 15 Tropenparks. Der Lausitzer ist sein erster.
Regenwald: Durch die Lausitzer Tropen in der ehemaligen Luftschiffhalle wird ein 1,2 Kilometer langer Wanderweg viele Sehenswürdigkeiten des tropischen Regenwaldes erschließen und auch schöne Aussichten auf die Gewässer bieten.
Gewässer: Während der Regenwald vor allem einen 13 Meter hohen Berg in der Hallenmitte bedeckt, befinden sich an seinen Rändern eine Lagune mit Sandstrand und ein großer Badesee. Dieser See ist 150 Meter breit. An ihm werden rund 1000 Liegestühle platziert. Abends ab 20 Uhr laden hier Künstler aus tropischen Ländern zu Konzerten ein.
Rund 160 Künstler sind jeweils gleichzeitig an Tropical Island gebunden. Sie kommen abwechselnd aus den verschiedenen tropischen Ländern und werden auch tagsüber die Gäste, vor allem im gastronomischen Bereich, unterhalten.
Gastronomie: An eine Seite des Regenwaldes grenzen sechs tropische Dörfer. Aufgebaut sind Wohngebäude aus Afrika, Asien und Südamerika sowie Restaurants für insgesamt 3000 Personen. Tropical Island ist rund um die Uhr geöffnet.