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"Tröglitz ist überall in Deutschland"

Berlin/Cottbus/Dresden. Der Brandanschlag auf ein geplantes Asylbewerberheim in Tröglitz (Sachsen-Anhalt) sorgt bundesweit für Aufruhr. Drohungen gegen Politiker mehren sich und nehmen bedrohliche Züge an – auch in Sachsen und Brandenburg. Christian Taubert

Für Sachsen-Anhalts Ministerpräsidenten Reiner Haseloff (CDU) "ist Tröglitz überall". Dabei verweist der Magdeburger Regierungschef auf die steigende Anzahl solcher Übergriffe im Bundesgebiet.

Tatsächlich ist die Zahl der Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte in Deutschland in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen. So registrierte die Polizei 2014 bundesweit rund 150 rechtsextrem motivierte Übergriffe dieser Art. 2012 hatte sie noch 24 solcher Fälle ausgewiesen, 2013 waren es 58. Hinzu kommen vermehrt persönliche, anonyme Drohungen gegen Politiker wie den Lübbenauer Bürgermeister Helmut Wenzel (parteilos), den Bautzener Landrat Michael Harig (CDU) oder Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD).

Für den Politikwissenschaftler Hajo Funke steckt hinter den Vorfällen in Tröglitz eine gezielte Strategie der NPD. Aus seiner Sicht habe auch nicht die Zivilgesellschaft versagt. "Aber es fehlt die Eindämmung der neonazistischen Hetze durch die NPD", sagte Funke. Der Vizechef der Brandenburger Mobilen Beratungsteams gegen Rechtsextremismus David Driese fordert dazu auf, die Zivilgesellschaft wachzurütteln und Willkommenskultur gegenüber Flüchtlingen zu zeigen.

Bundestags-Vizepräsidentin Claudia Roth (Grüne) betont im RUNDSCHAU-Interview, dass die Welle von Hass, Gewalt und Bedrohung "Gift für ein friedliches Zusammenleben in unserem Land ist und der Versuch, Demokratie und Rechtsstaat zu diskreditieren".

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