Im Landkreis Spree-Neiße ist am Donnerstag erstmals in der Lausitz eine "Notzeit für alle Wildarten" im Sommer verfügt worden. Diese Maßnahme, die das Brandenburger Jagdgesetz in Extremsituationen vorsieht, hat die untere Jagdbehörde angeordnet. Sie war von Jägern mehrfach informiert worden, dass in den Wäldern Rinnsale und Bäche verlandet sowie Suhlen ausgetrocknet seien.

Wie Olaf Lalk (CDU), Umwelt-Dezernent des Kreises, gegenüber der RUNDSCHAU erläutert, "hat es erste tote Tiere gegeben". Sowohl Schwarz- als auch Rotwild sei aufgrund der ausgetrockneten Wasserstellen in den Forsten in unzugängliche Feuerlöschteiche oder Flüsse gegangen und dort nicht wieder herausgekommen. "Wir wollen mit der Notzeit versuchen, den Tieren wieder in den Wäldern Wasser zu geben", erklärt Lalk. Deshalb seien jetzt alle zur Jagd Berechtigten aufgerufen, Wildtränken aufzustellen und zu unterhalten.

Neben den Wildtränken sind Jäger auch dazu angehalten, Suhlen mit Wasser zu füllen und den Jagddruck in dieser Extremsituation zu unterlassen. Ausdrücklich wird besorgten Bürgern von eigenständigen Initiativen zur Hilfe für die Wildtiere abgeraten.

Für den Präsidenten des Jagdverbandes Sachsen, Gert Dietrich, kommt die Notzeit überraschend. Sie sei im Winter angezeigt, wenn die Äsung (Nahrung des Wildes) etwa bei verharschtem Schnee nicht mehr zu erreichen ist. Dietrich: "Aber auch im Freistaat habe es ja seit 50 Jahren keine solche Trockenheit mehr gegeben."

Arne Barkhausen, Leiter der Oberförsterei Cottbus, gibt zu bedenken, dass Wildtiere gelernt hätten, sich an derartige Situationen anzupassen. "Wir sollten entspannter mit Natur umgehen", sagt er. Der Spree-Neiße-Kreis hatte zuletzt 2010 eine Notzeit ausgerufen, allerdings im Winter.