Eine Bestätigung der Wahlkommission wird erst in einigen Tagen erwartet.

"Mutter Suu, Mutter Suu!" skandierten Tausende begeisterte Anhänger vor der NLD-Zentrale in Rangun. Sie schwangen rote Fahnen und Plakate mit dem Parteisymbol, einem angreifenden Pfau. Suu Kyi war über Jahrzehnte mit ihrem friedlichen Widerstand gegen die Militärherrschaft der einzige Lichtschimmer im Leben der 60 Millionen Einwohner. Sie wurde erst im November 2010 nach mehr als 15 Jahren aus ihrem Hausarrest entlassen. Nach Hochrechnungen der Partei gewann die NLD mehr als 30 der insgesamt 45 zu vergebenden Mandate. In drei weiteren Wahlkreisen in der Unruheregion Kachin wurde die Stimmabgabe aus Sicherheitsgründen ausgesetzt.

Bei der Wahl ging es nur um die Besetzung von 45 der insgesamt 1160 Parlamentssitze, doch hatte der Wahlgang hohen symbolischen Wert: Es war das erste Mal, dass sich die jahrelang verfolgte Dissidentin den Wählern stellen durfte. Auch für ihre Partei ist der Einzug ins Parlament ein Novum: Die NLD hatte zwar 1990 schon einmal Wahlen gewonnen, doch ignorierte die Militärjunta das Ergebnis. Sie ließ erst 2010 erneut wählen und stellte dabei sicher, dass das Militär und die militärnahe Partei USDP mehr als 80 Prozent der Stimmen im Parlament kontrollieren.

Die NLD bleibt damit auch bei 30 gewonnen Mandaten eine verschwindend kleine Oppositionspartei. Die Nachwahl gilt aber als wichtiger Test für die nächsten Parlamentswahlen. "Das Ergebnis wird großen Einfluss darauf haben, was 2015 passiert", sagte Suu Kyi vor Öffnung der Wahllokale. Sie hat eine Kandidatur als Präsidentin nicht ausgeschlossen.

In vielen Wahlkreisen herrschte Volksfeststimmung. In Rangun waren schon am frühen Morgen die Straßen verstopft. "Ich bin so glücklich", sagte Aung Kyi (86), ein pensionierter Lehrer und Anhänger Suu Kyis, der nach eigenen Angaben das erste Mal in seinem Leben wählte.