Die Rösler-Kritiker sind deutlich kleinlauter Das Wahlergebnis stärkt den Vorsitzenden - kommt nun ein Tandem mit Brüderle? "Ich wünsche mir", diktiert der 63-jährige Staatssekretär Ernst Burgbacher schwäbelnd in die Blöcke der Journalisten, "dass mal a Ruhe isch". Alexander Hahn, 25, dreht sich um. "Ganz genau."

Alt und jung sind sich bei den Liberalen an diesem Wahlabend selten einig. Sie alle wollen ein Ende der Personalquerelen. "Morgen um 13 Uhr", sagt Burgbacher. Die, die es angeht, sitzen oben im Vorstandszimmer um den Fernseher herum, mampfen Chips und reden nicht viel über das, was war.

Parteichef Philipp Rösler ist da, der angesichts des Wahlergebnisses nachher vor den Kameras triumphiert, dass dieser Tag "ein großer Tag für alle Liberalen in Deutschland" ist. Parteivize Birgit Homburger, die sich "erst mal nur freuen" will. Der Sachse Holger Zastrow, der mit dem Sieger ist: "Das Ergebnis zeigt, Philipp Rösler ist der richtige Mann."

Der Jubel unten im Saal ist unbeschreiblich, als die erste Hochrechnung hereinkommt. Sofort wird rhythmisch geklatscht. Das Thomas-Dehler-Haus ist voll wie selten. Manche dachten wohl, es gebe hier eine Art Leichen-schmaus. Mitnichten. "Heute wird erst mal gefeiert", sagt Generalsekretär Patrick Döring, Röslers engster Vertrauter.

Aber am Montag im Vorstand soll Tacheles geredet werden. Die Erwartungen sind unterschiedlich, aber die meisten sagen, Fraktionschef Rainer Brüderle müsse sich nun klar zu Rösler bekennen und aufhören, dessen Führungsanspruch infrage zu stellen.

Zuletzt hatte er das mit seiner Forderung getan, den Parteitag mit der Neuwahl des Vorsitzenden vorzuziehen. Das hatte zwei Tage vor der Wahl vor allem die niedersächsischen Liberalen empört. Brüderle wiederholt seine Forderung an diesem Sonntag nicht. "Ich habe da oben heute eigentlich überhaupt keinen gehört, der so was gefordert hat", sagt ein Teilnehmer der Runde süffisant.

Der Chef der Jungen Liberalen, Lasse Becker, spricht von einer "Teamlösung", die den Streit ein für alle Mal beenden solle, andere nennen es "Tandem". Nur einen nimmt Becker von diesem Team aus. Er nennt den Namen nicht, sondern umschreibt ihn mit "derjenige, der alles getan hat, um Niedersachsen zu torpedieren".

Gemeint ist Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel, der nach den ersten Hochrechnungen auffällig schnell an allen Kameras vorbeigeht. Und dabei ziemlich blass aussieht. Niebel hatte, als die Umfragen für Niedersachsen noch weit unter fünf Prozent lagen, auf Niederlage gesetzt und sich beim Dreikönigstreffen auf offener Bühne gegen Rösler gestellt.

Jetzt versucht sein Staatssekretär und Vertrauter Hans-Jürgen Beerfeltz für ihn die Kurve zu kriegen: Niebel habe doch mit dafür gesorgt, dass allen bürgerlichen Wählern in Niedersachsen klar geworden sei, dass die FDP an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern könnte. Und so sei es zum Stimmensplitting und zu diesem Ergebnis gekommen. Dirk Niebel also. Auch eine Erklärung.