Vor dem geschmückten Weihnachtsbaum stand ein Wahlplakat. Und die mehreren Hundert Ehrenamtlichen, die sich am Montagabend im Stubenrauch-Saal des Teltower Rathauses versammelten, fühlten sich auch so wie sonst nur am Heiligen Abend. "Das ist wie Weihnachten und Ostern zusammen", sagte der Sprecher der Bürgerinitiative für ein Nachtflugverbot, Matthias Schubert. Unbeschreiblicher Jubel und Applaus brandete durch den Raum, als das von Landeswahlleiter Bruno Küpper um kurz nach 19.30 Uhr verkündete Ergebnis des Volksbegehrens allmählich die Runde durch den Raum machte. In Sprechchören sangen die Menschen: "So sehen Sieger aus."

Denn genau 106 332 Brandenburger hatten in den vergangenen sechs Monaten für ein von 22 bis 6 Uhr reichendes Nachtflugverbot am Großflughafen BER gültig unterschrieben, deutlich mehr als die 80 000, die für ein erfolgreiches Volksbegehren notwendig gewesen wären. Der Sieg war erdrutschartig. Und er führt sich auf ein ehrenamtliches Engagement Tausender Menschen zurück, die bei jedem Wetter vor Brandenburgs Rathäusern und auf Marktplätzen für ihre Sache warben.

Unterstützung für die Lausitz

"In Kleinmachnow hatten wir die letzte Unterschrift erst 30 Sekunden vor Ende der Eintragefrist", sagte der Mitbegründer des dortigen Vereins "Kleinmachnow gegen den Fluglärm", Michael Lippoldt. "Wir haben 100 000 Postkarten drucken lassen, mit denen Interessierte Briefwahlunterlagen anfordern konnten." Der Kleinmachnower betont, dass das erfolgreiche Volksbegehren nicht nur eine Sache des Speckgürtels sei: "Wenn es an das Volksbegehren für die Lausitzer Hochschulen geht, können sich die Lausitzer unserer Unterstützung gewiss sein", sagt Lippoldt. "Bei so etwas muss das Land zusammenhalten."

Und Christine Hauptmann, Vorsitzende des Vereins "Teltow gegen den Fluglärm", berichtete davon, dass ihre Organisation mit rund 600 Mitgliedern mittlerweile der größte Verein der Speckgürtel-Stadt geworden sei. Von ihrem Haus am östlichen Stadtrand aus beobachtet sie die startenden Flugzeuge, die über dem benachbarten Großbeeren auf Nordkurs gehen. "Meine Kinder schlafen im ausgebauten Dachgeschoss unseres Hauses", sagt Hauptmann. "Ich will, dass sie ruhig schlafen können - sie müssen morgens ja schließlich ausgeruht zur Schule."

Nun hoffen die Engagierten aus den Bürgerinitiativen, diesem Ziel ein Stück näher gekommen zu sein. "Die Landesregierung muss sich jetzt auf uns zubewegen", sagt der gestern frenetisch gefeierte Matthias Schubert. "Sie kann dieses spektakuläre, historische Ergebnis nicht übergehen oder beiseite schieben."

"Heute Geschichte geschrieben"

Ähnlich äußerte sich auch einige örtliche Landtagsabgeordnete, die entgegen der Linie ihrer Fraktion das Volksbegehren unterstützten, während aus der Staatskanzlei am gestrigen Montagabend keine Reaktion erhältlich war. "Das ist ein schöner Erfolg", sagte etwa der SPD-Landtagsabgeordnete Sören Kosanke. "Nun wird die Landesregierung Angebote machen müssen." Von einem großen Erfolg spricht auch der Teltower FDP-Politiker Hans-Peter Goetz. "Es ist das erste Mal, dass in Brandenburg ein Volksbegehren erfolgreich war - hier wurde heute Geschichte geschrieben." Und auch die Brandenburger Piraten und die Grünen, die das Volksbegehren von Anfang an unterstützten, sprachen von einer klaren Ansage an die Adresse der Landesregierung.

Zurückhaltender äußerte sich der CDU-Fraktionsvorsitzende Dieter Dombrowski. "Wir haben großen Respekt vor dem starken Engagement der Brandenburger", so Dombrowski. "Das Anliegen ist ernst zu nehmen, schließlich braucht Brandenburg einen akzeptierten Flughafen." Seine Skepsis freilich ist verständlich: Denn im Text des Volksbegehrens ist auch davon die Rede, dass der nationale und der internationale Luftverkehrsanschluss in Berlin und Brandenburg nicht allein auf den Ballungsraum Berlin konzentriert werden sollte. Im Landtag, aber auch bei einer Volksabstimmung könnte dieser Passus, der den Raum für weitere Flughäfen öffnet, besonders problematisch werden. Die Bürgerinitiativen aus dem Speckgürtel freilich lassen sich davon nicht beirren. Gegenüber der RUNDSCHAU kündigte Schubert an, im Fall des Falles auch für einen Volksentscheid bereit zu stehen. "Wir freuen uns auf den Volksentscheid", sagt Schubert. "Wir wissen jetzt, wie es ist, wenn man gewinnt."